»So ziemlich… und Hannah? Wenn ich dich jemals erwischen sollte, wie du mich heimlich beobachtest, werde ich eine Lobotomie an deinen Hauptsystemen durchführen – aber mit einer Schrapnellgranate. Hast du mich verstanden?«

Hannah schniefte beleidigt und unterbrach die Verbindung.

Hazel mußte grinsen. Es gab so viele KIs – und der Käpten mußte ausgerechnet an eine Spannerin geraten. Irgendwie war das typisch für die Scherbe und das Pech, das dieses Schiff zu verfolgen schien. Hazel blickte die langen Reihen von Körperbänken entlang, großen, sperrigen Metallkisten, deren Seiten mit Reif und Eis überkrustet waren. Häßliche Dinger für ein häßliches Geschäft. Die KI hatte schon recht: Hazel hatte nicht die Befugnis, den Frachtraum zu betreten. Nicht, daß sie einen verdammten Dreck darauf gegeben hätte. Hazel d’Ark gab grundsätzlich auf nichts einen verdammten Dreck. Ganz zu schweigen davon, daß sie immer genau das tat, was sie wollte – zur Hölle mit den Konsequenzen. Was zumindest teilweise der Grund war, warum aus ihr eine Gesetzlose geworden war.

Vorsichtig, angetrieben von einer neugierigen Mischung aus Abscheu und Faszination, näherte sich Hazel der am nächsten stehenden Körperbank. Als sie als Klonschmugglerin auf der Scherbe angeheuert hatte, hatte sie sich keine Illusionen gemacht, worauf sie sich einließ. Doch aus der Nähe betrachtet sah die Sache noch ein wenig finsterer aus. Sicher, die Körperbänke waren ein Quell des Lebens – trotzdem schien der makellos saubere Frachtraum nach Tod zu stinken. Die meisten Lichter waren abgeschaltet, um Energie zu sparen. Man wußte nie, wann man die gesparte Energie gebrauchen konnte, um Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Klonpascher waren alles andere als beliebt, weder bei den Behörden noch bei denjenigen, die ihre Dienste in Anspruch nahmen.

Langsam schlenderte Hazel den Mittelgang zwischen den Körperbänken entlang. Vor ihrem geistigen Auge brannten die Bilder von Herzen und Lungen und Nieren, durch die frisches, hellrotes Blut pulsierte. Sie wußte zwar, daß die tiefgefrorenen Organe in Wirklichkeit ganz anders aussahen, aber ihr gefiel die Vorstellung. Ihre Kollegen redeten von den Organen als ›Handelsware‹. genauso beiläufig wie Metzger im Schlachthaus über das Vieh.



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