Die Hexe aß den ganzen Vorrat auf und verlangte noch mehr. Als sie vier gebratene Ochsen und drei Hammel, siebzehn Fasanen und vierundsechzig Rebhühner mit gut zwei Dutzend Semmeln verspeist und ein volles Faß Wasser ausgetrunken hatte, streichelte sie sich wohlig den Bauch und sagte: „Nach einem solchen Mahl wird ein Schläfchen wohl nicht schaden." Sogleich fiel ihr aber ein, daß sie schon allzulange geschlafen und deshalb ihre Geschäfte vernachlässigt hatte.

„Ich muß erfahren", brummte sie, „wie lange der Schlaf gedauert hat, in den mich nur Hurrikap versenken konnte." Sie fragte Kastaglio nach dem großen Zauberer, und es war ihr eine Genugtuung zu hören, daß seit vielen Jahrhunderten niemand von einem Zauberer dieses Namens gehört hatte.

„Hat sich also verrechnet, der Angeber!" grinste Arachna. „Ist längst nicht mehr auf dieser Welt, ich aber lebe, und jetzt wird mich niemand mehr daran hindern können, in diesem Lande nach Herzenslust zu schalten und zu walten."

Kastaglio erzählte ihr von den vielen Schriftrollen im Schrank, in denen die Geschichte des Zauberlandes aufgezeichnet war. Arachna beschloß, die Chronik dieses weltabgeschiedenen winzigen Landes zu, studieren, bevor sie Schritte gegen dessen Einwohner unternahm. Es konnte ja sein, daß sich hier in den vergangenen Jahrhunderten ein anderer mächtiger Zauberer niedergelassen hatte, vor dem man sich in acht nehmen mußte.

DIE CHRONIK DER ZWERGE

Arachna begann zu lesen. Die Pergamentrollen waren numeriert, und deshalb konnte man die Reihenordnung leicht herausfinden. Die Hexe konnte aber schlecht lesen und kam nur langsam vorwärts. Die Geschichte der alten Zeit überflog Arachna unaufmerksam. Nur die Schilderung des Chronisten, wie Hurrikap sie eingeschläfert hatte, studierte sie aufmerksam.



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