
Das Wasser am Ufer war tief, die Strömung reißend. Sie erfaßte den General, die Unteroffiziere und Soldaten, wirbelte sie herum und warf sie gegeneinander. Vergeblich rannte Urfin in heller Verzweiflung am Ufer entlang und schrie gellend: „Halt, Holzköpfe! Halt!"
Die Soldaten gehorchten aber nur den Befehlen ihres Generals, außerdem begriffen sie nicht, was geschehen war, und stürzten, ein Zug nach dem anderen, ins Wasser. Nach drei Minuten stand der Eroberer ohne Armee da. Der Fluß hatte alle Soldaten fortgetragen.
Urfin raufte sich die Haare vor Wut und Verzweiflung. Da sagte die Eule zu ihm:
„Gräm dich nicht, Gebieter! Ich war in meinen jungen Jahren in dieser Gegend und kann mich erinnern, daß der Fluß einige Meilen von hier mit Schilf bewachsen ist. Dort werden unsere Krieger bestimmt steckenbleiben . . ."
Urfin beruhigte sich ein wenig. Er lud das unversehrt gebliebene Tischlerwerkzeug auf
Meister Petz' Rücken und ging das Ufer entlang flußabwärts. Nach anderthalbstündigem
schnellem Marsch kam er an eine Stelle, wo der Fluß breiter und seichter wurde. Im
Wasser zeigte sich Schilfdickicht, in dem sich bunte Punkte bewegten. Urfin atmete
erleichtert auf. Er hatte in den Punkten seine Holzsoldaten erkannt.
Als er Lan Pirot unter ihnen gewahrte, schrie er:
„Hallo, General! Befehlt den Holzköpfen, ans Ufer zu schwimmen!"
„Was bedeutet das, schwimmen?" fragte Lan Pirot.
„Na, meinetwegen könnt ihr waten, wenn's seicht ist."
„Was ist das, waten?"
Urfin spuckte wütend aus und beschloß, ein Floß zu bauen. Die Rettung der Armee nahm mehr als 24 Stunden in Anspruch. Die Holzsoldaten sahen aber jämmerlich aus: Ihre Farbe blätterte ab, die vom Wasser gequollenen Arme und Beine bewegten sich kaum. Eine längere Rast war notwendig. Die Soldaten lagen zugweise, vornean die Unteroffiziere, am Ufer und trockneten, während Urfin sein großes Floß zimmerte.
