
Bolitho wandte sich ab — auf Keverne konnte er sich durchaus verlassen. Er war ein guter Erster; allerdings wußte Bolitho weniger von ihm als von irgendeinem seiner früheren Offiziere. Das war zum Teil seine eigene Schuld, zum Teil lag es aber auch an der zusätzlichen Arbeit, die ihm die Krankheit des Admirals verursacht hatte. Vielleicht war es auch ganz gut so für sie beide, dachte Bolitho. Die zusätzliche Verantwortung, die Notwendigkeit, sich immer intensiver mit der strategischen und taktischen Führung nicht eines, sondern mehrerer Schiffe zu befassen, hatten ihn so in Anspruch genommen, daß ihm nicht viel Zeit zum Nachgrübeln über den Tod seiner Frau geblieben war. Auf der anderen Seite mußte Keverne, da Bolitho mit den Angelegenheiten des Admirals beschäftigt war, mehr Verantwortung übernehmen, was ihm sehr zustatten kommen würde, wenn er einst sein eigenes Schiff hatte.
Keverne war außerordentlich tüchtig; er hatte nur einen Fehler: während der Reise hatte er mehrfach kurze Ausbrüche von Jähzorn gehabt. Er war Ende Zwanzig, groß, schlank und sehnig, tiefbrünett und auf eine beinahe zigeunerhafte Art gutaussehend. Mit seinen dunklen, blitzenden Augen und außerordentlich weißen Zähnen mußte er Glück bei Frauen haben, dachte Bolitho.
Doch als der Admiral, den Hut in der Hand und mit seinen blassen Augen in die Sonne blinzelnd, an Deck kam, dachte Bolitho nicht mehr an Keverne. Sekundenlang sah er zu, wie die Kommandantengig gefiert wurde. Blöcke und Taljen quietschten, und Tebbutt, der Bootsmann mit den mächtigen Oberarmen, blaffte seine Befehle vom Steuerbord-Decksgang hinunter.
Bolitho beobachtete den Admiral genau: für diesen zählte jede dieser letzten Sekunden, er speicherte gewiß die kurzen Bilder der Bordroutine in seinem Gedächtnis wie einen Schatz.
Jetzt erklang eine wohlbekannte Stimme aus nächster Nähe; Bolitho fuhr herum: da stand Allday, sein Bootsführer, und sah ihn gelassen an.
