
»Ist Ihnen je der Gedanke gekommen, daß Ihr Gatte die Versuchung spürte, sich das Leben zu nehmen?«
»Nein - das heißt, manchmal war er sehr merkwürdig .«
Joanna Farleys Stimme ertönte plötzlich, klar und verächtlich.
»Vater hätte sich niemals das Leben genommen. Er war viel zu sehr auf sein Wohlergehen bedacht.«
Dr. Stillingfleet erwiderte darauf:
»Wissen Sie, Miss Farley, die Menschen, die immer mit Selbstmord drohen, begehen diese Tat gewöhnlich nicht. Daher erscheint mancher Selbstmord so unbegreiflich.«
Poirot erhob sich.
»Ist es gestattet«, fragte er, »daß ich den Raum sehe, wo die Tragödie stattfand?«
»Gewiß. Dr. Stillingfleet wird Sie vielleicht begleiten.«
Der Arzt erhob sich und ging mit Poirot nach oben.
Benedict Farleys Zimmer war bedeutend größer als das des Sekretärs nebenan. Es war luxuriös ausgestattet mit tiefen Ledersesseln, einem dicken Veloursteppich und einem prachtvollen, riesigen Schreibtisch.
Poirot trat hinter den Schreibtisch, wo gerade vor dem Fenster ein dunkler Fleck auf dem Teppich zu sehen war. In Gedanken hörte er den Millionär sagen: »Achtundzwanzig Minuten nach drei öffne ich die zweite Schublade rechts in meinem Schreibtisch, nehme den Revolver heraus, den ich dort liegen habe, lade ihn und trete ans Fenster. Und dann -und dann erschieße ich mich.«
Er nickte langsam vor sich hin und sagte:
»Stand das Fenster offen, wie jetzt?«
»Ja. Aber niemand hätte auf diese Weise eindringen können.«
Poirot blickte hinaus. Es war nichts zu sehen: keine Fensterschwelle, kein Vorsprung, keine Rohre. Nicht einmal eine Katze hätte sich einschleichen können. Gegenüber erhob sich die glatte Wand des Fabrikgebäudes - eine blinde Wand ohne Fenster.
»Seltsam«, meinte Stillingfleet, »daß ein reicher Mann sich einen Raum mit solcher Aussicht als Arbeitszimmer gewählt hatte. Es ist ja, als ob man auf eine Gefängniswand blickte.«
