»Und Ihr Vater hatte keine Lust, sich Ihnen anzu-schließen?«

»Mein Vater ging nie ins Theater.«

»Womit befaßte er sich abends gewöhnlich?«

»Er saß hier in seinem Zimmer und las.«

»Er war wohl nicht sehr gesellig, wie?«

Joanna Farley blickte ihm fest in die Augen, »Mein Vater«, erklärte sie, »hatte ein selten unangenehmes Wesen. Niemand, der in enger Gemeinschaft mit ihm lebte, konnte ihn irgendwie gern haben.«

»Das, Mademoiselle, ist ein sehr offenes Zugeständnis.«

»Ich erspare Ihnen Zeit, Monsieur Poirot. Ich weiß sehr wohl, worauf Sie hinauswollen. Meine Stiefmutter hat meinen Vater seines Geldes wegen geheiratet. Ich wohne hier, weil ich kein Geld habe, um anderswo ein Domizil aufzuschlagen. Ich kenne einen Mann, den ich heiraten möchte. Es ist ein armer Mann. Mein Vater sorgte dafür, daß er seinen Posten verlor. Er wünschte nämlich, daß ich eine gute Partie machte - was ja nicht schwer war, da ich seine Erbin sein sollte!«

»Erben Sie das Vermögen Ihres Vaters?«

»Ja. Das heißt, er hat Louise, meiner Stiefmutter, eine Viertelmillion Pfund steuerfrei hinterlassen, und es sind noch einige andere Vermächtnisse vorhanden, aber die Universalerbin bin ich.«

Sie lächelte plötzlich. »Sie sehen also, Monsieur Poirot, daß ich allen Grund hatte, den Tod meines Vaters herbeizusehnen.«

»Ich sehe, Mademoiselle, daß Sie die Intelligenz Ihres Vaters geerbt haben.«

Nachdenklich meinte sie:

»Ja, Vater war klug. Man spürte in seiner Gegenwart die gewaltige Triebkraft, die in ihm steckte. Nur hatte sich alles in Kälte und Bitterkeit verwandelt. Alle menschlichen Gefühle waren atrophiert ...«

Hercule Poirot sagte leise vor sich hin: »Grand Dieu, was für ein Dummkopf war ich doch!«

Joanna Farley wandte sich zum Gehen.



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