Fünf Leser hatten auf sein Weihnachtsangebot, Kurt zu nehmen, reagiert. Vier fragten an, warum Kurt Kurt hieß, ob er den Namen der Hundekolumne »In den Wind gesabbert« verdanke und ob Kurt denn ähnlich ausgeflippt unterwegs sei wie der legendäre Kurt aus »Horizonte«. Die fünfte Meldung lautete: »Ich mag keine Hunde, aber ich glaube, ich würde ihn nehmen. Er muss mich nur halbwegs in Ruhe lassen. Und ich will ihn vorher sehen. Gruß. Katrin.« Diese E-Mail beantwortete Max sofort, denn er hatte das Gefühl, die beiden würden gut miteinander harmonieren. Er schrieb: »Sie können den Hund jederzeit sehen. Sagen Sie mir wann und wo. Wir kommen überall hin. Kurt freut sich schon. Gruß. Max.« Das mit »Kurt freut sich schon« war eine Notlüge.

4. Dezember

In der Nacht hatte es geregnet und der Wind drückte stark gegen das Fensterglas, welches knirschende Geräusche machte, als stünde es knapp davor, in die Brüche zu gehen. Katrin wurde von einem elefantengroßen Hund mit Haifischzähnen gebissen, wachte auf und konnte, obwohl die Schmerzen natürlich gleich weg waren, die restlichen drei Stunden nicht mehr einschlafen. Den Typen mit dem Hund würde sie zu Mittag im Cafe Melange treffen. Sie hoffte, dass er ihr nichts tun würde - der Hund. Vor Männern fürchtete sie sich weniger.

Ordination war dienstags von 8 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr. Katrin kam immer schon ein bisschen früher. Sie ertrug es nicht, wenn Doktor Harrlich vor ihr in der Praxis war. Da empfing er sie stereotyp im bemüht französischen Akzent mit »Guten Morgen, mein schönes Fräulein, haben Sie gut geschlafen?« und schlich mit seinen schlaffen Händen von hinten an ihren Körper heran, um ihr aus dem Mantel zu helfen, als wollte er Marlon- Brando-mäßig zum »Letzten Tango« antreten. Es wäre übrigens garantiert sein letzter Tango gewesen. Augenarzt Doktor Harrlich war 76 und ordinierte nur noch aus Gewohnheit und Betriebsblindheit. Er sah bereits so schlecht, dass er seine Patienten nicht mehr unterscheiden konnte.



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