Als sie 26 war und den Vollzug ihrer vierten gescheiterten Beziehung, jene mit Herwig, hinter sich gebracht hatte, saß sie alleine in einem Kaffeehaus und ließ sich widerstandslos ansprechen. Ihr fehlten die natürlichen Abwehrkräfte. Außerdem wollte sie Herwig dafür bestrafen, dass er so war, wie er war. Außerdem hatte sie schon sechs Monate mit keinem Mann mehr geschlafen. Außerdem hatte sie Lust - zwar nicht unbedingt danach, mit einem Mann zu schlafen, aber nach ganz normalem Sex.

Der Typ hinter den Sonnenbrillen, Georg sollte er heißen (eines der wenigen Worte, die er fehlerfrei und ohne geistigen Kraftaufwand reproduzieren konnte), war einer, den Frauen einen »Adonis« nannten, ein ewiger Tarzan-Statist, potent bis in die Zehenspitzen. Ein Typ, den es eigentlich nur auf Fototapeten geben dürfte. Wegen solcher Männer flogen Garnisonen frustrierter Ehefrauen und Mütter nicht mehr allzu kleiner Kinder jährlich nach Tunesien und ritten auf Kamelen. Manche kamen nie wieder zurück.

Damals war Katrin alles egal. Deshalb beantwortete sie selbst Fragen wie: »Warum bist du allein?«, »Wie lang brauchst du zum Fönen deiner Haare?« oder: »Was machst du sonst noch?« mit wenigen Worten, aber großer Geduld. Schließlich fragte Georg: »Was ist dein Lieblingssport?« - »Bumsen«, erwiderte Katrin (war aber nicht sicher, ob sie das Wort richtig ausgesprochen hatte, ob es nicht »Pumsen«, »Bumbsen« oder noch härter »Pumpsen« hätte heißen müssen). Jedenfalls dachte sie dabei ganz fest und genüsslich an Herwig und hätte viel dafür gegeben, wenn er in dieser Situation hätte dabei sein können. Georg schien mit dieser Antwort zwar nicht gerechnet zu haben, aber sie gefiel ihm offensichtlich. Denn er sagte verschwörerisch grinsend: »Mein Lieblingssport eigentlich auch!« und verlangte die Rechnung.

Katrin bereute es nicht.



14 из 185