Max pendelte in seiner Arbeitszeit zwischen drei Büros, die ihm nicht gehörten, die auch nicht auf ihn warteten, die ihn aber duldeten, weil er dort beruflich tätig sein musste, um Geld zu verdienen, das sahen auch die Büros irgendwie ein. Max war Journalist, im etwas weiteren Sinne dieses Wortes. Er produzierte für die wöchentlich erscheinende »Rätselinsel« die gefürchtete »Max'sche Kreuzworträtselecke«, deren Ausfallsquote unter den Auflösern nach nur drei gemeisterten Worten bei etwa neunzig Prozent lag. Seine Spezialität waren erfundene Abkürzungen. (Zum Beispiel: Xenophonspielerin mit fünf Buchstaben. Richtige Lösung: Xphsp.)

Leider war der Job schlecht (an der Grenze zu gar nicht) bezahlt. Deshalb gestaltete Max im Büro Nummer zwei einer Wiener Bezirkszeitung zusätzlich das tägliche Kino- und Theaterprogramm. Die Kreativität war dabei insofern begrenzt, als Max die Veranstaltungen nicht selbst bestimmen, zeitlich festlegen und auf die Bühnen und Leinwände verteilen konnte. Er schrieb das Programm vielmehr von bestehenden Vorgaben ab. Aber er machte das sehr gewissenhaft. Und es gab niemanden, der daran interessiert zu sein schien, ihm diesen Job bei dieser Bezahlung streitig zu machen.

Max' drittes und entscheidendes berufliches Aufgabengebiet betraf Kurt, seinen reinrassigen Deutsch-Drahthaar. Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis betraf Kurt nichts. Er war dagegen immun, von irgendeiner Sache der Welt betroffen zu sein oder zu werden. Max verfasste im Büro Nummer drei für das wöchentlich, wenn auch beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit erscheinende Tiermagazin »Leben auf vier Pfoten« die Hundekolumne »Treue Augenblicke«, deren Star kein Geringerer, aber auch kein Lebendigerer war als Kurt. An dieser Stelle muss zurückgeblendet werden, denn »Treue Augenblicke« hatte einen ziemlich tragischen Hintergrund.


Es war gut zwei Jahre her, als die Medien des Landes dahinter kamen, was die Leser und Seher des Landes tatsächlich am Geschmacksnerv ihres Interesses packt: Hundegeschichten.



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