
Mit einem Mal fühlte sich Diane wie ausgelaugt. Sie zog sich aus, schlüpfte in ihr Nachthemd, putzte sich die Zähne und ging zu Bett. Ein paar Minuten später schlief sie tief und fest.
Um drei Uhr morgens wachte sie schreiend auf.
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Erst als der Morgen dämmerte, hörte Diane auf zu zittern. Sie hatte das Gefühl, als dringe ihr die Kälte bis ins Mark. Richard war tot. Sie würde ihn niemals wiedersehen, nie wieder seine Stimme hören, sich nie mehr an ihn schmiegen können. Es ist meine Schuld. Ich hätte diesen Gerichtssaal nie betreten dürfen. Ach, Richard, verzeih mir ... bitte verzeih mir ... Wie soll ich bloß ohne dich zurechtkommen? Du warst mein Ein und Alles, mein ganzer Lebensinhalt, undjetzt habe ich nichts mehr.
Sich wollte sich am liebsten einrollen.
Sie wollte verschwinden.
Sie wollte sterben.
Verzweifelt lag sie da und dachte an die Vergangenheit, daran, wie Richard ihr Leben verändert hatte ...
Diane West war in Sands Point, New York, aufgewachsen, einer ruhigen Wohngegend für wohlhabende Familien. Ihr Vater war Chirurg, die Mutter Künstlerin, und Diane hatte mit drei Jahren angefangen zu zeichnen. Sie ging auf das St.-Paul’s-Internat und danach aufs College. Dort hatte sie im ersten Jahr eine kurze Beziehung mit ihrem charismatischen Mathematiklehrer. Er erklärte ihr, dass er sie heiraten wollte, weil sie die einzige Frau auf der Welt für ihn sei. Als Diane erfuhr, dass er eine Frau und drei Kinder hatte, wurde ihr klar, dass er entweder an Gedächtnisschwund litt oder nicht zählen konnte, und sie wechselte daraufhin ans Wellesley College.
Sie verschrieb sich voll und ganz der Kunst und malte in jeder freien Minute. Als Diane ihren Collegeabschluss machte, verkaufte sie bereits die ersten Bilder und erwarb sich einen Ruf als vielversprechende Künstlerin.
