
Der Mann im Overall hielt zwei ausgefranste Enden einer schweren Trosse hoch. »Das war kein Unfall, Madame. Jemand hat das Sicherungsseil des Aufzugs gekappt.«
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Um vier Uhr morgens saß Kelly in einem Sessel, starrte benommen aus dem Fenster und horchte auf das Stimmengewirr, das ihr fortwährend in den Ohren widerhallte. Kriminalpolizei . müssen mit Ihnen reden . Eiffelturm . Abschiedsbrief ... Mark ist tot ... Mark ist tot ... Mark ist tot. Wie ein schleppendes Klagelied gingen ihr diese Worte ein ums andere Mal durch den Kopf.
Vor ihrem inneren Auge sah sie Marks Körper hinabstürzen, tiefer und immer tiefer ... Sie streckte die Arme aus und wollte ihn auffangen, kurz bevor er auf dem Gehsteig zerschmettert wurde. Bist du meinetwegen gestorben? Habe ich irgendetwas getan? Irgendetwas nicht getan? Habe ich irgendetwas gesagt? Irgendetwas nicht gesagt? Ich habe noch geschlafen, als du gegangen bist, Liebster, und konnte mich gar nicht von dir verabschieden, dich küssen und dir sagen, wie sehr ich dich liebe. Ich brauche dich. Ohne dich halte ich es nicht aus, dachte Kelly. Hilf mir, Mark. Hilf mir - so wie du mir immer geholfen hast. Sie ließ sich zurücksinken und dachte daran, wie es früher gewesen war, vor Mark, in diesen furchtbaren Jahren ihrer Jugend ...
Kelly war in Philadelphia geboren - als uneheliche Tochter von Ethel Hackworth, einem schwarzen Dienstmädchen, das im Hause eines Richters angestellt war, bei einer der bekanntesten Familien der Stadt. Ethel war siebzehn und wunderschön, so schön, dass Pete, der schmucke, zwanzigjährige blonde Sohn der Familie Turner, ihren Reizen verfiel. Er verführte sie, und einen Monat später stellte Ethel fest, dass sie schwanger war.
Als sie es Pete mitteilte, sagte der: »Das ... das ist ja wunderbar.« Dann stürmte er in das Arbeitszimmer seines Vaters und überbrachte ihm die schlechte Nachricht.
