
Tod, wie immer er auch eintreten mochte, wäre eine Erleichterung. Nein, er wäre ein grandioses Ereignis. Der Chief würde Schwarz tragen und eine Nachrede halten müssen, aber hinter verschlossenen Türen würde er mit seinen Mitarbeitern kichern. Der Gedanke behagte Runyan.
«Was schlagen Sie vor?«fragte er.
«Können Sie mit ihm reden?«
«Ich habe es versucht. Ich habe ihm erklärt, dass er vermutlich der meistgehasste Mann in Amerika ist, dass Millionen von Menschen ihn tagtäglich verfluchen, dass die meisten Leute ihn am liebsten tot sähen, dass er viermal soviel Hassbriefe bekommt wie alle anderen Richter zusammen, und dass er für einen Mörder eine ideale und leichte Zielscheibe ist.«
Lewis wartete.»Und?«
«Er hat gesagt, ich könnte ihn am Arsch lecken. Dann ist er eingeschlafen.«
Die Mitarbeiter kicherten, wie es sich gehörte; erst dann begriffen auch die FBI-Agenten, dass Humor erlaubt war, und schlossen sich mit einem kurzen Auflachen an.
«Also was unternehmen wir?«fragte Lewis ungerührt.
«Sie beschützen ihn, so gut Sie können, halten es schriftlich fest und zerbrechen sich deswegen nicht den Kopf. Er fürchtet sich vor nichts, auch nicht vor dem Tod, und wenn er nicht nervös ist, warum sollten Sie es dann sein?«
«Der Direktor ist nervös, also bin ich auch nervös, Chief. Es ist ganz simpel. Wenn einem von Ihnen etwas zustößt, muss das FBI es ausbaden.«
Der Chief schaukelte auf seinem Stuhl. Der Lärm von draußen war entnervend. Diese Zusammenkunft hatte sich lange genug hingezogen.»Vergessen wir Rosenberg. Vielleicht stirbt er im Schlaf. Ich mache mir mehr Sorgen um Jensen.«
«Jensen ist ein Problem«, sagte Lewis und blätterte in seinen
Papieren.
«Ich weiß, dass er ein Problem ist«, sagte Runyan langsam.»Er ist eine Pest. Manchmal hält er sich für einen Liberalen und votiert in der Hälfte der Fälle wie Roserberg. Einen Monat später ist er ein weißer Suprematist und unterstützt die Rassentrennung in den Schulen. Dann entdeckt er seine Liebe zu den Indianern und möchte ihnen Montana schenken. Es ist, als hätte man es mit einem zurückgebliebenen Kind zu tun.«
