Massan schüttelte betrübt den Kopf. »Mein lieber Professor, Gesetze sind eine Sache, Menschen eine andere. Und Politik wird von Menschen gemacht, nicht von auf Tape gespeicherten Worten.«

»Da komme ich nicht mit«, meinte Leoh.

»Vor etwas mehr als einem terranischen Jahr brach Kanus einen Streit vom Zaun mit einer Nachbarnation — der Safad Federation. Er wollte ein besonders vorteilhaftes Handelsabkommen mit ihr abschließen. Der safanische Handelsminister lehnte sehr entschieden ab. Ein Mitglied der kerakischen Verhandlungsdelegation — ein gewisser Major Odal — hatte einen Wortwechsel mit dem Minister. Bevor die anderen es so richtig mitbekamen, hatten sich die beiden gegenseitig zum Duell herausgefordert. Odal siegte, und der Minister trat zurück. Er sagte, er könne Odals und Keraks Forderungen nicht länger abwehren… er sei psychisch unfähig dazu. Zwei Wochen später war er tot — offenbar Selbstmord, obwohl ich da meine Zweifel habe.«

»Das ist… außerordentlich interessant«, murmelte Leoh.

»Vor drei Tagen«, fuhr Massan fort, »verwickelte der gleiche Major Odal unseren Premierminister Dulaq in einen hitzigen Disput. Odal ist jetzt Militärattache bei der kerakischen Botschaft hier auf Acquatainia. Der Wortwechsel wurde so laut —vor einer größeren Gruppe von Zuhörern auf einem Botschaftsempfang —, daß dem Premierminister gar nichts mehr anderes übrigblieb, als Odal zu fordern. Und jetzt… «

»Jetzt liegt Dulaq im Koma, und Ihre Regierung wackelt.«

Massan richtete sich kerzengerade auf. »Unsere Regierung wird nicht stürzen, noch wird der Acquataine Cluster die Wiederbewaffnung der Kerak-Welten ruhig hinnehmen. Aber…« er senkte die Stimme, »… ohne Dulaq zerbröckeln unter Umständen unsere Bündnisse mit den Nachbarnationen. Alle unsere Verbündeten sind kleiner und schwächer als Acquatainia. Kanus könnte sie einzeln unter Druck setzen und sicherstellen, daß sie nichts gegen seine Aufrüstung unternehmen. Alleine kann Acquatainia Kanus nicht stoppen.«



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