»Den anderen Fuß, Mädchen«, befahl der Wärter.

Die Glocke läutete und würde erst verstummen, wenn die vier Leichen abgeschnitten wurden. Sir Henry merkte, dass seine Hand zitterte. »Wie ich höre, kostete Getreide letzte Woche in Norwich dreiundsechzig Schilling«, sagte er eine Idee zu laut.

Logan musterte das zitternde Mädchen. »Sie hat ihrer Herrin eine Halskette gestohlen.«

»Ach?«

»Perlen. Sie muss sie verkauft haben, man hat die Kette nie gefunden. Der Große hinter ihr ist ein Straßenräuber. Schade, dass es nicht Hood ist, was? Aber eines Tages werden wir Hood auch hängen sehen. Die anderen beiden haben einen Krämer in Southwark ermordet. Dreiundsechzig Schillinge? Ein Wunder, dass überhaupt noch jemand zu essen hat.«

Unbeholfen, weil es nicht mehr gewohnt war, ohne Fußfesseln zu gehen, schlurfte das Mädchen von dem behelfsmäßigen Amboss fort und begann zu weinen. Sir Henry kehrte ihm den Rücken zu. »Scharfe Nierchen, sagst du?«

»Der Verwalter serviert an Henkerstagen immer scharfe Nierchen, das ist Tradition«, bestätigte Logan.

Der Hammer zerschlug die Fußeisen des Straßenräubers, die Glocke läutete, und James Botting rief das Mädchen barsch zu sich. »Steh still, Mädchen. Trink das, wenn du willst. Trink es aus.« Er deutete auf einen Becher Branntwein, den jemand neben die ordentlich aufgerollten Seile auf den Tisch gestellt hatte. Mit zittrigen Händen verschüttete das Mädchen etwas von der Flüssigkeit, trank den Rest aus und ließ den Blechbecher fallen, der scheppernd über die Fliesen rollte. Sie wollte sich für ihre Ungeschicklichkeit entschuldigen, aber Botting fiel ihr ins Wort: »Arme an die Seiten, Mädchen, Arme an die Seiten.«

»Ich habe nichts gestohlen«, jammerte sie.

»Ruhig, Kind, ruhig.« Reverend Cotton war zu ihr getreten und legte ihr die Hand auf die Schulter. »Gott ist unsere Zuflucht und Zuversicht, Kind, du musst auf ihn vertrauen.« Er knetete ihre Schulter. Sie trug ein hellblaues Baumwollkleid mit tiefem Ausschnitt, und die Finger des Priesters bedrängten ihr nacktes weißes Fleisch. »Der Herr ist eine große Hilfe in Zeiten der Not«, sagte der Ordinarius. Seine Finger hinterließen rosige Spuren auf ihrer weißen Haut. »Er wird dich trösten und führen. Bereust du deine Sünden, mein Kind?«



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