
Als das Schwert den höchsten Punkt erreicht hatte und einen Augenblick regungslos ragte, eilte eine schwarzgekleidete Gestalt von der linken Seite des Thrones die Stufen herab und hielt den Opfernden mit dünnen Armen fest. Die scharfe Schneide des Schwertes glitzerte in halber Höhe. Sie standen einen Augenblick regungslos, wie Tänzer in der Balance, über dem regungslosen Kind, dessen Hals zwischen den auf die Seite gefallenen schwarzen Haaren weiß schimmerte.
In der Stille eilten beide wieder die Stufen hinauf und verschwanden in der Dunkelheit hinter dem Riesenthron. Eine Priesterin näherte sich und goß Flüssigkeit aus einer Schüssel neben das knieende Kind. Der Fleck sah schwarz aus in der Düsternis des Saales.
Das Kind richtete sich auf und mühte sich die vier Stufen wieder hinunter. Als es unten angelangt war, zogen ihm die beiden großen Priesterinnen einen schwarzen Umhang mit Kapuze an und kehrten es um, so daß es die Stufen, den Fleck und den Thron sah.
»O mögen die Namenlosen das Mädchen annehmen, wahrlich die Eine, geboren ohne Namen. Mögen sie ihr Leben und die Jahre ihres Lebens hinnehmen, bis der Tod sie ereile, der auch ihnen geweiht ist. Möge sie ihnen gefallen. Sie werde verzehrt.!«
Andere Stimmen, schrill und grell wie Trompeten, antworteten: »Sie ist verzehrt! Sie ist verzehrt!«
Die Kleine blickte mit bang geweiteten Augen unter ihrer Kapuze hervor hinauf auf den Thron. Die Edelsteine, welche die klauenförmigen Armlehnen und die Rückenlehne zierten, waren mit Staub bedeckt, und die Schnitzereien der Rückenlehne waren mit Spinnweben behangen und mit weißgrauen Flecken getupft, die von Eulenmist herrührten. Die drei höchsten, direkt zum Thron führenden Stufen, die sich über die Stufe erhoben, auf der sie kniete, waren noch nie von menschlichen Füßen betreten worden. Sie waren so dick mit Staub bedeckt, daß sie wie Rechtecke aus grauer Erde aussahen, und der rotgeäderte Marmor, der unter der unberührten, unbetretenen Ablagerung ungezählter Jahre lag, war völlig verborgen.
