»Sie ist verzehrt! Sie ist verzehrt!«

Jetzt begann die Trommel wieder zu dröhnen, in schnellerem Takt als zuvor.

Schweigend setzte sich die Prozession wieder in Bewegung, vom Thron sich entfernend, dem hellen Viereck des offenen Portales im Osten entgegen. Zu beiden Seiten ragten die mächtigen Säulen empor, wie die Waden riesiger, bleicher Beine, die sich im dunklen Dämmerlicht unter der Decke verloren. Das kleine Mädchen schritt zwischen den Priesterinnen. Schwarzgekleidet wie diese, setzte es, tiefernst, einen Fuß vor den andern und schritt über das bereifte Unkraut, über die eiskalten Steinplatten. Als Sonnenstrahlen durch das schadhafte Dach auf seinen Weg fielen, blickte es nicht einmal auf.

Die Posten hatten die Portale weit geöffnet. Die schwarze Prozession kam heraus in das kalte, klare Licht und in den Wind des frühen Morgens. Die Sonne in der riesigen Weite des östlichen Himmels blendete die Augen. Die Berge im Westen und die Fassade der Thronhalle warfen das gelbe Licht zurück. Die anderen Gebäude am Fuße des Hügels lagen noch in violettem Schatten, nur der Tempel der göttlichen Brüder, der auf der anderen Seite des Weges, auf einer kleinen Erhebung stand, leuchtete: sein Dach war neu vergoldet und warf das Tageslicht in seiner ganzen Pracht zurück. Der schwarze Zug der Priesterinnen, in Viererreihen, bewegte sich langsam den Gräberhügel hinunter, und während sie sich vorwärts bewegten, begannen sie leise zu singen. Die Melodie hatte nur drei Noten, und das Wort, das sie laufend wiederholten, war so alt, daß es seine Bedeutung verloren hatte, es war wie der Wegweiser, der noch stand, nachdem der Weg selbst längst verschwunden war. Ununterbrochen sangen sie das leere Wort. An diesem Tag, an dem die Wiederkunft der Priesterin gefeiert wurde, verstummte das Singen nicht; er war erfüllt vom leisen Gesang der Frauenstimmen, von einem unaufhörlichen, gleichförmigen, summenden Geräusch.



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