
Der Gottkönig von Awabad sandte keine Gefangenen mehr zur Stätte, und Arha träumte immer seltener von den drei Männern im dunklen Verlies, die jetzt schon lange tot und in flachen Gräbern in dem Riesengewölbe unter den Steinen begraben waren.
Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, um in diese Höhle zurückzukehren. Sie mußte zurückkehren: die Priesterin der Gräber mußte in der Lage sein, ihr eigenes Reich ohne Furcht zu betreten; sie mußte sich auskennen.
Das erste Mal, als sie durch die Falltür stieg, fiel es ihr am schwersten: aber es war nicht ganz so schlimm, wie sie befürchtet hatte. Sie hatte sich geistig so gut darauf vorbereitet, sie war so fest entschlossen, allein hinunterzusteigen und nicht die Nerven zu verlieren, daß sie, als es soweit war, fast ein bißchen Enttäuschung empfand, weil alles so leicht vor sich ging. Es gab dort Gräber, aber sie konnte sie nicht sehen, nichts konnte sie sehen. Es war ganz finster, es war totenstill. Und das war alles.
Tag für Tag ging sie dort hinunter, und immer betrat sie das unterirdische Reich durch die Falltür in dem Raum hinter dem Thron, bis sie den Umfang des Gewölbes mit den seltsam verzierten Wänden gut kannte— so gut man eben etwas kennen konnte, das man nicht sah. Sie blieb immer in Reichweite der Wände, denn wenn sie sich in die Leere des Raumes gewagt hätte, hätte sie leicht die Richtung verlieren können, und wenn sie dann wieder eine Wand erreicht hätte, wäre es ihr unmöglich gewesen, festzustellen, wo sie war.
