Denn das hatte sie schon beim ersten Mal gelernt: das Wichtigste war, im Dunkeln zu wissen, welche Ecken und Öffnungen man passiert hatte und welche noch vor einem lagen. Und das konnte man nur wissen, wenn man zählte, denn den tastenden Händen fühlte sich alles gleich an. Arhas Gedächtnis war gut geschult, und es fiel ihr nicht schwer, ihren Weg auf diese seltsame Art, durch Tasten und Zählen anstatt durch Sehen und Erkennen, zu finden. Bald kannte sie alle Gänge, die vom Untergrab ausgingen, auch die Irrgänge, die unter dem Thronsaal und dem Hügel lagen, kannte sie. Aber einen Gang betrat sie nie: den zweiten, der nach dem Eingang zwischen den roten Felsen kam, aus dem sie, wenn sie ihn aus Versehen betrat, vielleicht nie mehr herausfinden würde. Aber ihr Verlangen, ihn zu betreten, und das Labyrinth kennenzulernen, nahm ständig zu. Sie widerstand ihm jedoch, bis sie alles darüber erfahren hatte, was davon bekannt war. Thar wußte wenig darüber, sie kannte die Namen einiger Räume und auch die Anweisungen, wie man zu den Räumen gelangen konnte. Diese sagte sie Arha auf, aber sie zeichnete nie ein Bild in den Staub oder machte eine Zeichnung in die Luft; sie selbst war diesen Anweisungen noch nie gefolgt, denn sie hatte das Labyrinth noch niemals betreten. Aber wenn Arha fragte: »Wie geht man von der offenstehenden, eisernen Tür in den Bemalten Raum?« oder »Welcher Weg führt vom Knochensaal zum Tunnel beim Fluß?«— dann schwieg Thar erst eine Weile, aber dann begann sie die seltsamen Anweisungen aufzusagen, die sie vor so langer Zeit von der Arha-Die-Gewesen-War gelernt hatte: soundsoviele Kreuzungen passieren, soundsoviele Wendungen nach links und so weiter, und so weiter. All dies lernte Arha auswendig, oft beim ersten Mal, wie es Thar gelernt hatte. Wenn sie nachts in ihrem Bett lag, wiederholte sie das alles und versuchte, sich die verschiedenen Orte, die Räume und die Gänge vorzustellen.

Thar zeigte Arha die vielen Gucklöcher, durch die man hinunter schauen konnte ins Labyrinth, und die es in jedem Gebäude und Tempel der Stätte gab, selbst unter den Felsen draußen waren sie zu finden.



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