Das Spinngewebe der unterirdischen Gänge zog sich überall unter der Stätte dahin und erstreckte sich selbst jenseits der Mauern. Die Gänge verliefen meilenweit in der Dunkelheit. Kein Mensch außer ihr, den zwei Hohepriesterinnen und ihren eigensten Dienern, den Eunuchen Manan, Uahto und Duby, wußten überhaupt, daß ein Labyrinth existierte und unter jedem ihrer Schritte lag, den sie hier oben machten. Unter den anderen Bewohnern der Stätte gingen ungenaue Gerüchte um, alle wußten zwar, daß es Höhlen oder irgendwelche Gewölbe unter den Gräbern gab, aber niemand zeigte großes Interesse an Dingen, die mit den Namenlosen zusammenhingen, und an den Orten, die ihnen geweiht waren. Vielleicht glaubten sie, daß es besser sei, wenig darüber zu wissen. Arha war natürlich sehr neugierig, und da sie wußte, daß es Gucklöcher in das Labyrinth gab, hatte sie nach ihnen gesucht, doch sie waren so gut verborgen, daß sie kein einziges gefunden hatte. Sie befanden sich zwischen den Steinplatten des Bodens, auf dem Wüstengrund, selbst in ihrem eigenen Haus, und sie fand es erst, nachdem Thar sie darauf aufmerksam gemacht hatte.

In einer Nacht zu Beginn des Frühjahrs nahm sie eine Kerzenlaterne und ging hinunter, ohne sie anzuzünden. Sie ging durch das Untergrab bis zur zweiten Öffnung links am Gang, der von der Tür zwischen den roten Felsen hineinführte.

Sie machte dreißig Schritte in die Dunkelheit hinein und trat dann durch eine Tür, deren Eisenrahmen sie in der Wand ertastete: Hier war die Grenze ihrer bisherigen Expeditionen, weiter war sie noch nie gekommen. Jetzt ging sie durch die eiserne Tür in den Gang hinein, und als er allmählich nach rechts abbog, zündete sie ihre Kerze an und schaute sich um.

Hier war es gestattet, Licht zu machen. Sie hatte das Untergrab verlassen. Sie befand sich jetzt an einem weniger heiligen, doch vielleicht fürchterlicheren Ort: sie war im Labyrinth.



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