
»Guter Freund, ich wollte wissen, ob Sie diesen Mann schon einmal irgendwo gesehen haben.«
Er führte Japp in das anliegende Schlafzimmer. Der Inspektor sah mit verwundertem Gesicht auf den Toten. »Lassen Sie mich einmal nachdenken - kommt mir irgendwie bekannt vor -, kann mich doch meistens auf mein Gedächtnis verlassen. Ja, selbstverständlich, alle guten Geister, es ist Mayerling!«
»Und wer ist - oder vielmehr, wer war Mayerling?«
»Mitglied eines Geheimdienstes - keiner von unseren Leuten. Ging vor fünf Jahren nach Rußland. Hörte nie mehr etwas von ihm. Dachte stets, die Bolschewiken hätten ihn eingesperrt.«
»Es paßt alles zusammen«, bemerkte Poirot, als Japp uns verlassen hatte, »nur ein Haken ist dabei, nämlich der, daß er eines natürlichen Todes gestorben zu sein scheint.« Er stand da und sah finsteren Blickes auf die reglose Gestalt hinunter. Ein Windstoß blähte die Vorhänge, und plötzlich blickte er aufmerksam auf.
»Ich nehme an, daß du die Fenster öffnetest, als du ihn auf das Bett niederlegtest, Hastings?«
»Nein«, antwortete ich, »soweit ich mich erinnern kann, waren sie geschlossen.« Poirot sah mich aufmerksam an.
»Geschlossen - und jetzt sind sie geöffnet. Was kann das bedeuten?«
»Jemand muß auf diesem Wege eingestiegen sein«, bemerkte ich.
»Möglich«, stimmte Poirot zu, aber er sagte dieses wie abwesend und nicht ganz überzeugt.
Nach einer längeren Pause fuhr er fort:
»Das ist es nicht, was mich nachdenklich stimmt, Hastings; wenn nur ein Fenster geöffnet gewesen wäre, wäre ich nicht so überrascht. Aber die Tatsache, daß beide Fenster offen sind, gibt mir zu denken.« Darauf eilte er in das Wohnzimmer.
»Dieses Fenster ist gleichfalls geöffnet, es war aber auch geschlossen, als wir den Raum verließen. Aha!« Er beugte sich über den Toten und betrachtete eine Zeitlang dessen Mundwinkel. Dann blickte er auf. »Er wurde geknebelt, Hastings! Geknebelt und dann vergiftet.«
