
»Gütiger Himmel!« rief ich erschüttert. »Ich denke, wir werden Genaueres bei der Leichenschau erfahren.«
»Wir werden gar nichts erfahren. Er starb durch Einatmen von konzentrierter Blausäure. Diese wurde ihm direkt unter die Nase gehalten. Dann entfernte sich der Mörder, nachdem er vorher sämtliche Fenster geöffnet hatte. Blausäure verflüchtigt sich außerordentlich schnell, sie hinterläßt jedoch einen intensiven Geruch von bitteren Mandeln. Das Fehlen dieses Geruchs und anderer Verdachtsmomente würde die Ärzte jederzeit zur Feststellung eines natürlichen Todes veranlassen. Dieser Mann war also im Geheimdienst und verschwand vor fünf Jahren in Rußland.«
»Die letzten zwei Jahre jedoch war er in der Anstalt«, bemerkte ich, »aber was geschah während der drei vorhergegangenen Jahre?«
Poirot schüttelte den Kopf und ergriff meinen Arm. »Die Uhr, Hastings, sieh dir einmal die Uhr an!« Ich folgte seinem Blick zum Kaminsims. Die Uhr war um vier Uhr stehengeblieben.
»Mon ami, jemand hat das Pendel angehalten. Sie hätte noch drei Tage laufen müssen, denn sie hat ein Achttagewerk, begreifst du nun?«
»Aber zu welchem Zweck sollte man das getan haben? Um uns vielleicht auf eine falsche Fährte zu locken, daß das Verbrechen um vier Uhr geschehen ist?«
»Nein, nein, mon ami, denke doch einmal scharf nach. Laß einmal deine kleinen grauen Zellen arbeiten. Stell dir vor, du wärest Mayerling. Du hörst vielleicht ein Geräusch - und weißt nur zu gut, daß dein Todesurteil bereits gesprochen ist.
Du hast gerade noch soviel Zeit, um ein Zeichen zu hinterlassen. Vier Uhr, Hastings - Nummer vier - der Zerstörer. Ah, ich habe eine Idee!«
Er rannte ins Nebenzimmer, ergriff den Hörer und verlangte Hanwell.
»Ist dort die Heilanstalt, ja? Ich habe gehört, daß heute einer der dortigen Insassen entwichen ist. Was sagen Sie? Einen kleinen Moment bitte, wollen Sie das noch einmal wiederholen? Ah, parfaitement!«
