
Er hängte den Hörer wieder auf und wandte sich mir zu. »Hast du gehört, Hastings? Es ist überhaupt niemand entwichen!«
»Aber der Aufseher war doch hier?« bemerkte ich. »Ich frage mich... «
»Meinst du etwa...?«
»Ja, ganz recht, Nummer vier - der Zerstörer!« Ich starrte Poirot sprachlos vor Erstaunen an. Es dauerte geraume Zeit, ehe ich meine Sprache wiederfand. »Wir werden ihn auf jeden Fall wiedererkennen«, bemerkte ich, »das dürfte nun einmal feststehen. Der Mann war eine ganz ausgeprägte Persönlichkeit.«
»War er das wirklich, mon ami? Ich bin anderer Ansicht. Er war stämmig, von kräftigem Wuchs, hatte ein rötliches Gesicht, eine heisere Stimme und trug einen buschigen Schnurrbart. Die letzteren Kennzeichen wird er mittlerweile abgelegt haben und auch in Zukunft nicht mehr verwenden. Seine Augen waren farblos, seine Ohren sind unauffällig, dazu hatte er ein perfektes falsches Gebiß. Eine Identifizierung beim nächsten Mal ist also keine so leichte Aufgabe, wie du anzunehmen scheinst.«
»Glaubst du denn, daß wir hierzu nochmals Gelegenheit haben werden?« fragte ich. Poirots Gesicht wurde sehr ernst.
»Es wird ein Kampf auf Leben und Tod, mon ami. Du und ich auf der einen Seite, auf der anderen die Großen Vier. Die erste Runde haben sie gewonnen. Sie täuschen sich jedoch, wenn sie annehmen, mich beseitigen zu können, und in Zukunft werden sie mit Hercule Poirot zu rechnen haben!«
3
Noch zwei bis drei Tage nach Erscheinen des Mannes, der sich als Aufseher der Irrenanstalt ausgegeben hatte, hegte ich die geheime Hoffnung, er würde nochmals zurückkommen; ich wagte es deshalb nicht, die Wohnung auch nur für einen Moment zu verlassen. Soweit ich es beurteilen konnte, hatte er keinen Grund zu der Annahme, daß wir ihn durchschaut hatten. Ferner glaubte ich, daß er zurückkommen werde, um die Leiche abzuholen, jedoch Poirot war anderer Meinung. »Mon ami«, sagte er, »wenn du es für richtig hältst, kannst du versuchen, diesen Vogel einzufangen, hingegen habe ich nicht die Absicht, meine Zeit mit Warten zu verlieren.«
