
Poirot folgte den Ausführungen Mr. Ingles mit gespannter Aufmerksamkeit.
»Und in China?«fragte er. »Laufen da seine Fäden in gleicher Richtung?«
Mr. Ingles nickte zustimmend.
»Ganz eindeutig«, sagte er, »obwohl ich keine Beweise erbringen kann, die hieb- und stichfest sind - ich spreche nur aus eigener Erfahrung. Ich selbst kenne jede einflußreiche Persönlichkeit im heutigen China und kann Ihnen versichern, daß die Personen, die in der breiten Öffentlichkeit auftreten, meistens nur geringen oder gar keinen Einfluß haben. Es sind Marionetten, die von Meisterhand geleitet werden, und diese Hand ist Li Chang Yens Hand. Er ist der leitende Kopf im Fernen Osten. Wir verstehen den Osten nicht und werden ihn niemals verstehen. Jedoch in Li Chang Yen haben wir die treibende Kraft. Nicht etwa, daß er im Rampenlicht erscheint, nein, keineswegs, er verläßt seinen Palast in Peking nie. Doch zieht er an seinen Fäden, nur an den Fäden - und weit entfernt geschehen Dinge.«
»Und es gibt niemanden, der sich ihm entgegenstellt?« fragte Poirot.
Mr. Ingles beugte sich in seinem Stuhl vor. »Vier Leute haben es in den letzten vier Jahren versucht«, sagte er langsam, »Männer von Format, ehrlich und kluge Männer. Jeder von ihnen wäre fähig gewesen, seinen Plänen wirksam entgegenzutreten.« Er zögerte. »Und weiter?« fragte ich.
»Nun, sie sind alle tot. Der eine schrieb einen Zeitungsartikel und brachte Li Chang Yens Namen mit den Aufständen in Peking in Verbindung; innerhalb von zwei Tagen fand man ihn erdolcht auf der Straße. Der Mörder wurde nie ermittelt. Die Umstände bei zwei anderen lagen ähnlich. In einer Rede oder einem Artikel oder nur bei einer Unterhaltung sprachen beide von Li Chang Yen in Verbindung mit einem Aufruhr oder einer Revolte, und innerhalb einer Woche nach dieser Indiskretion waren sie tot.
