
»Sieh dir einmal diese Keule an, aber bitte ganz sorgfältig!« Ich betrachtete das Fleisch so genau wie irgend möglich, konnte aber daran nichts Außergewöhnliches feststellen. Es erschien mir wie eine ganz normale Hammelkeule, und ich brachte das unumwunden zum Ausdruck. Poirot warf mir einen vernichtenden Blick zu.
»Aber siehst du denn nicht das - und das - und das?« Er begleitete jeden Hinweis mit einem Hieb gegen das harmlose Stück Fleisch, wobei kleine Eispartikel sich lösten.
Poirot hatte mir gerade vorgeworfen, ich sollte meine Phantasie im Zaum halten, jetzt hatte ich jedoch das Gefühl, daß er selbst die Grenzen überschritt. War er wirklich der Meinung, diese Eiskristalle hätten irgendwelche tiefere Bedeutung? Ich konnte keine zufriedenstellende Erklärung für sein merkwürdiges Verhalten finden.
»Es ist Gefrierfleisch«, bemerkte ich seelenruhig, »importiert aus Neuseeland, wenn du es nicht wissen solltest.« Er starrte mich eine Zeitlang an und stieß alsdann ein gezwungenes Lachen aus. »Wie harmlos doch mein Freund Hastings ist! Er weiß alles und sieht alles nur mit seinen Augen. Typisch für meinen guten Hastings.«
Er warf die Hammelkeule in die Schüssel zurück, verließ die Speisekammer und sah aus dem Fenster.
»Da kommt unser Freund, der Inspektor. Das ist mir recht, ich habe alles gefunden, wonach ich suchte.« Er trommelte gedankenverloren auf den Tisch, wie wenn er angestrengt über etwas nachdächte. Dann fragte er plötzlich: »Was ist heute für ein Tag?«
»Montag«, sagte ich ziemlich erstaunt. »Warum?«
»So, also Montag; ein schlechter Wochentag. Am Montag einen Mord zu begehen ist immer ein großer Fehler.« Er begab sich in das Wohnzimmer und klopfte an das Barometer, an welchem sich ein Thermometer befand. »Schönwetter und einundzwanzig Grad Celsius. Ein richtiger englischer Sommertag.«
Ingles untersuchte indessen immer noch verschiedene seltene Stücke chinesischen Porzellans.
