»Tun Sie ihren Gefühlen keinen Zwang an, wenn Sie es für ratsam halten«, sagte unser Besucher mit äußerster Ruhe. »So höre doch endlich auf zu zögern, Poirot«, rief ich, »das ist ja nicht mehr auszuhalten. Ruf die Polizei, und laß ihn verhaften.«

Ich erhob mich schnell und stellte mich mit dem Rücken zur Tür.

»Es scheint der einzige Weg zu sein«, murmelte Poirot, als wollte er mit sich ins reine kommen.

»Aber so offensichtlich scheint er Ihnen wohl doch nicht zu sein, was?« sagte unser Besucher mit einem Lächeln. »Nun entschließe dich doch endlich, Poirot«, drängte ich. »Auf deine Verantwortung, mon ami.«

Als er den Hörer aufnahm, sprang der Mann katzenartig auf mich zu. Ich fing ihn auf, und in der nächsten Minute hielten wir uns in eisernem Griff und taumelten durch das Zimmer. Er schwankte und glitt aus, ich fühlte mich bereits im Vorteil, als er vor mir zu Boden fiel. Aber dann, meines Sieges sicher, ereignete sich etwas Unvorhergesehenes. Ich fühlte mich hochgehoben und landete kopfüber, meine Glieder in wüstem Durcheinander, an der Wand. Ich erhob mich zwar sofort, doch die Tür fiel schon hinter meinem Widersacher ins Schloß. Ich rannte hinterher, rüttelte, aber sie war von außen abgeschlossen. Dann entriß ich Poirot den Hörer. »Ist dort der Empfang? Halten Sie einen Mann auf, der hinaus will, ein großer Mann mit hochgeschlossenem Überzieher und weichem Hut. Er wird von der Polizei gesucht.« Nur einige Minuten vergingen, bis wir ein Geräusch auf dem Gang hörten. Der Schlüssel drehte sich im Schloß, die Tür wurde aufgestoßen, und der Direktor des Hotels erschien.

»Wo ist der Mann - haben Sie ihn erwischt?« schrie ich. »Nein, mein Herr, es ist niemand heruntergekommen.«

»Aber er muß doch an Ihnen vorbeigekommen sein?«

»Mir ist niemand begegnet, Monsieur. Er kann unmöglich entkommen sein.«



55 из 199