
»Sie sind sicher jemandem begegnet«, sagte Poirot mit gedämpfter Stimme.»Vielleicht jemandem vom Hotelpersonal?«
»Nur einem Kellner mit einem Tablett, Monsieur.«
»Aha«, sagte Poirot. »Deshalb also war er zugeknöpft bis zum Kragen.«
Poirot versank in tiefes Nachdenken, nachdem das aufgeregte Hotelpersonal sich endlich entfernt halte.
»Es tut mir unendlich leid, Poirot«, murmelte ich ziemlich beschämt. »Ich glaubte ihn bereits überwältigt zu haben.« »Ja, das war nun mal eben ein Judogriff, und nun sei nicht weiter so betrübt, mon ami. Alles verlief planmäßig - und zwar nach seinem Plan. Es ist genau das, was ich erreichen wollte.«
»Was wolltest du bezwecken?« fragte ich, indem ich mich nach einem braunen Gegenstand bückte, der auf dem Fußboden lag. Es war ein dünnes Taschenbuch aus braunem Leder, das unser Besucher während des Kampfes verloren haben mußte. Es enthielt zwei quittierte Rechnungen, ausgestellt auf den Namen Felix Laon, und ein zusammengefaltetes Stück Papier, welches mein Herz schneller schlagen ließ. Es war die halbe Seite eines Notizblockes, auf welche einige Worte gekritzelt waren. »Die nächste Zusammenkunft findet am Freitag um elf Uhr vormittag in der Rue des Echelles Nr. 34 statt.« Es war unterzeichnet mit einer großen Zahl - 4. Und heute war Freitag, die Uhr auf dem Kaminsims zeigte gerade 10.30 Uhr.
»Mein Gott, was für ein Zufall!« rief ich. »Das Schicksal meint es trotzdem gut mit uns. Wir müssen uns unverzüglich auf den Weg machen. Welch erstaunliches Glück.«
»Deshalb ist er also gekommen«, murmelte Poirot. »Nun sehe ich ganz klar.«
»Was denn, Poirot? So komm doch endlich!«
Poirot sah mich an, schüttelte den Kopf und lächelte in seiner typischen Art.
»Treten Sie bitte ein! sagte die Spinne zu der kleinen Fliege. So steht es doch wohl geschrieben in dem Märchen, das die englischen Kindermädchen ihren Schützlingen erzählen, nicht wahr? Nein, nein - sie glauben zwar, mich täuschen zu können - und dennoch durchschaue ich sie.«
