
»Worauf in aller Welt willst du hinaus, Poirot?« »Mein lieber Freund, ich bin nach den heutigen Geschehnissen mit mir zu Rate gegangen. War unser Besucher tatsächlich der Meinung, er würde irgendwelche Aussichten haben, mich bestechen zu können? Oder, andernfalls, mich in Angst versetzen und mich zur Einstellung meiner Tätigkeit veranlassen zu können? Es ist kaum anzunehmen. Warum ist er also überhaupt gekommen? Nun, ich durchschaue den ganzen Plan -sehr schlau und durchdacht -, der scheinbare Vorwand, mich entweder bestechen oder abschrecken zu können, sodann der provozierte Kampf, bei dem der Mann absichtlich sein Notizbuch verlor, und nun die Falle! Rue des Echelles, elf Uhr morgens. Ich denke gar nicht daran, mon ami! So leicht kann man Hercule Poirot nicht einfangen.«
»Allmächtiger Himmel», stammelte ich.
Poirot schaute gedankenverloren vor sich hin.»Es gibt aber noch etwas, das ich durchaus nicht verstehen kann.«
»Das wäre?«
»Die Zeit, Hastings - die Zeit. Wenn sie mich in eine Falle locken wollten, so würde sich doch die Nachtzeit besser dazu eignen. Warum zu so früher Stunde? Ist es vielleicht möglich, daß sich heute morgen noch irgend etwas anderes ereignet? Etwas, das sie vor mir verbergen wollen?« Er senkte den Kopf.
»Wir werden sehen. Hier bleibe ich sitzen, mon ami. Wir rühren uns heute morgen nicht von der Stelle und warten ab, was geschehen wird.«
Es war genau 11.30 Uhr, als der Stein ins Rollen kam: ein Telegramm. Poirot riß es auf und gab es mir. Madame Olivier bat uns darin, unverzüglich nach Passy zu kommen. Wir kamen der Aufforderung ohne einen Augenblick zu zögern nach. Madame Olivier empfing uns in demselben kleinen Salon. Ich war von neuem tief beeindruckt von der wundervollen Erscheinung dieser Nachfolgerin von Becquerel und den Curies, ihrem schmalen, nonnenhaften Gesicht und ihren ausdrucksvollen Augen.
