
»Aber wie kann jemand dort hineinkommen? Außer dieser Tür gibt es doch keinen anderen Zutritt zu deinem Schlafzimmer!«
»Dein Gedächtnis ist ausgezeichnet, Hastings. Jetzt heißt es kombinieren.«
»Das Fenster! Aber dann handelt es sich um einen Einbrecher! Es muß ein Fassadenkletterer sein - doch ich halte es beinahe für unmöglich bei der Höhe.«
Ich hatte mich bereits erhoben und war auf die Tür zugegangen, blieb jedoch stehen, als ich hörte, daß von innen an der Türklinke hantiert wurde.
Langsam öffnete sich die Tür. Im Rahmen stand ein Mann. Er war von Kopf bis Fuß mit Staub und Straßenschmutz bedeckt, sein Gesicht war hager und abgezehrt. Einen Moment starrte er uns an, schwankte und fiel zu Boden. Poirot eilte an seine Seite, sah dann zu mir auf und rief: »Brandy, schnell!«
Ich schüttete eilends etwas Brandy in ein Glas und brachte es ihm. Es gelang Poirot, dem Mann etwas einzuflößen, und wir hoben ihn gemeinsam auf eine Couch. Nach einigen Minuten öffnete er die Augen und schaute sich mit einem beinahe leeren Blick um.
»Was hat Sie hierhergeführt, Monsieur?« fragte Poirot. Der Mann öffnete die Lippen und sprach in einem eigenartig mechanischen Tonfall: »Monsieur Hercule Poirot, Farraway Street 14.«
»Ja, ja, der bin ich.«
Der Mann schien nichts zu verstehen und wiederholte in genau derselben Weise: »Monsieur Hercule Poirot, Farraway Street 14.«
Poirot versuchte mehrmals Fragen an ihn zu richten, manchmal antwortete er überhaupt nicht, zuweilen wiederholte er dieselben Worte.
»Ruf bitte Dr. Ridgeway an. Er soll unverzüglich hierherkommen.«
Glücklicherweise war Dr. Ridgeway daheim, und da sein Haus gerade um die Ecke lag, vergingen nur einige Minuten, bis er ziemlich außer Atem eintraf. »Was ist denn los?« Poirot gab einige kurze Erklärungen, und der Doktor begann unseren seltsamen Besucher zu untersuchen, der weder seine noch unsere Anwesenheit wahrzunehmen schien. »Hm«, sagte Dr. Ridgeway, als er seine Untersuchung beendet hatte, »ein seltsamer Fall!«
