»Hast du die Absicht, im letzten Moment aus dem Zuge zu springen?«

»Nein, Hastings, unsere Widersacher werden sich mit einer scheinbaren Abreise nicht begnügen.«

»Aber der Zug hält nicht vor Calais!«

»Er wird halten, wenn man dafür bezahlt.«

»Du bist im Irrtum, Poirot - keinesfalls darfst du dem Zugpersonal ein solches Anerbieten machen, sie würden es zurückweisen.«

»Mein lieber Freund, hast du noch nie den kleinen Handgriff bemerkt, die Notbremse? Strafe für widerrechtliches Benutzen beträgt 100 Francs, wenn ich nicht irre.«

»Ach so, diese willst du betätigen.«

»Nicht gerade ich selbst, sondern ein Bekannter von mir wird es tun, Pierre Combeau. Dann, während er vom Personal zur Rede gestellt wird, eine große Szene macht und alle Fahrgäste interessiert herumstehen, werden wir beide uns heimlich, still und leise aus dem Staube machen.«

Wir führten Poirots Plan wie verabredet aus. Pierre Combeau, ein alter Freund von Poirot, der dessen kleine Eigenarten zur Genüge kannte, traf die notwendigen Vorkehrungen. Die Notbremse wurde betätigt, als wir die letzten Vorstädte von Paris passierten. Combeau inszenierte alles in der üblichen erregten Art, die den Franzosen eigen ist, während Poirot und ich den Zug verließen, ohne von irgend jemand beobachtet zu werden. Unsere nächste Aufgabe bestand darin, uns ein vollständig verändertes Aussehen zuzulegen. Poirot hatte wiederum vorgesorgt und trug alles in einer kleinen Tasche bei sich. Wir aßen in einem bescheidenen kleinen Restaurant zu Abend und machten uns danach auf den Rückweg nach Paris. Es war kurz vor elf Uhr, als wir in die Nähe von Madame Oliviers Villa gelangten. Zuerst beobachteten wir sorgfältig die ganze Straße, bevor wir in den kleinen Gartenweg schlüpften. Die Umgebung schien vollkommen menschenleer. Eines war sicher: niemand war uns gefolgt.



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