
„Was beabsichtigen Sie mit mir zu tun?“ fragte Stormgren endlich, „bin ich eine Geisel, oder was?“
„Beunruhigen Sie sich nicht — wir kümmern uns um Sie. In wenigen Tagen erwarten wir einige Besucher, und bis dahin werden wir Sie unterhalten, so gut wir können.“ Er fügte ein paar Worte in seiner eigenen Sprache hinzu, und einer der andern zog ein funkelnagelneues Spiel Karten aus der Tasche.
„Wir haben die Karten eigens für Sie gekauft“, erklärte Joe. „Ich habe neulich in der ›Time‹ gelesen, daß Sie ein guter Pokerspieler sind.“ Seine Stimme wurde plötzlich ernst. „Ich hoffe, Sie haben genügend Geld in Ihrer Brieftasche“, sagte er besorgt. „Wir haben gar nicht daran gedacht, nachzusehen. Schließlich können wir ja nicht gut Schecks annehmen.“
Völlig überwältigt starrte Stormgren seine Wächter an. Plötzlich kam ihm die Komik der Situation zu Bewußtsein, und er hatte auf einmal das Gefühl, als wären ihm alle Sorgen und Mühen seines Amtes von den Schultern genommen. Von jetzt an mußte van Ryberg sich bewähren. Stormgren selbst konnte absolut nichts dabei tun, was auch geschehen mochte, und nun warteten diese phantastischen Verbrecher unruhig darauf, mit ihm Poker zu spielen.
Plötzlich warf er den Kopf zurück und lachte, wie er es seit Jahren nicht getan hatte.
Ohne Zweifel, dachte van Ryberg verdrießlich, sagte Wainwright die Wahrheit. Er mochte seine Vermutungen haben, aber er wußte nicht, wer Stormgren entführt hatte. Auch billigte er diese Entführung nicht. Van Ryberg vermutete, daß seit einiger Zeit Extremisten in der Freiheitsliga einen Druck auf Wainwright ausgeübt hatten, um ihn zu einer aktiveren Politik zu veranlassen. Jetzt hatten sie die Sache in ihre eigene Hand genommen.
Die Entführung war großartig organisiert gewesen, daran bestand kein Zweifel. Stormgren konnte sich überall auf der Erde befinden, und die Hoffnung, ihn aufzuspüren, schien gering. Aber irgend etwas mußte getan werden, sagte sich van Ryberg, und zwar schnell. Ungeachtet der Witze, die er so oft gemacht hatte, war sein wirkliches Gefühl Karellen gegenüber eine tiefe Ehrfurcht. Der Gedanke, dem Oberkontrolleur zu begegnen, erfüllte ihn mit Bestürzung, aber es gab offenbar keinen Ausweg.
