
«Deshalb sind Sie zu mir gekommen.»
«Ja. Ich konnte keinen anderen Grund haben, zu Ihnen zu kommen, nicht wahr?»
«Das», gab Hercule Poirot zu, «ist genau das, was ich mich selbst gefragt habe, Mademoiselle.»
«Ich verstehe Sie nicht.»
«Wer ist Stephen Graham?»
Sie sah ihn groß an.
«Stephen Graham? Oh – irgend jemand.»
Sie packte ihn am Arm.
«Was haben Sie im Sinn? Woran denken Sie? Sie stehen nur da, hinter Ihrem großen Schnurrbart, blinzeln in die Sonne und sagen kein Wort. Sie machen mir Angst – schreckliche Angst.
Warum machen Sie mir Angst?»
«Vielleicht», sagte Poirot,«weil ich selbst Angst habe.»
Die tiefen grauen Augen starrten zu ihm empor. Sie flüsterte:
«Wovor haben Sie Angst?»
Hercule Poirot seufzte tief und meinte:
«Es ist viel leichter, einen Mörder einzufangen, als einen Mord zu verhüten.»
Sie schrie auf:
«Mord? Sprechen Sie dieses Wort nicht aus.»
«Ich spreche es aber trotzdem aus.»
Er änderte seinen Ton und sprach schnell und gebieterisch:
«Mademoiselle, es ist notwendig, daß wir beide, Sie sowohl als ich, die Nacht in Lyde Manor verbringen. Ich verlasse mich auf Sie, daß Sie die Sache arrangieren. Geht das?»
«Ich – ja – ich denke schon. Aber warum?»
«Weil keine Zeit zu verlieren ist. Sie haben mir gesagt, daß Sie Mut haben. Beweisen Sie es jetzt. Tun Sie, was ich Ihnen sage, ohne zu fragen.»
Sie nickte wortlos und wandte sich ab.
Poirot folgte ihr nach einigen Augenblicken ins Haus. Er hörte ihre Stimme in der Bibliothek sowie die Stimmen von drei Männern. Er ging die breite Treppe hinauf. Es war niemand im oberen Stockwerk.
Er fand mühelos Hugh Chandlers Zimmer. In der Ecke des Zimmers war ein eingebauter Waschtisch mit heißem und kaltem Wasser. Auf einer Glasplatte darüber waren verschiedene Tuben, Tiegel und Flaschen.
