VI

In dem großen Schlafzimmer mit den schweren elisabethanischen Eichenmöbeln saß Hercule Poirot und wartete. Es gab nichts anderes zu tun, als zu warten. Alle seine Vorkehrungen waren getroffen.

Der Alarm kam in den frühen Morgenstunden. Als er draußen Schritte hörte, schob Poirot den Riegel zurück und öffnete die Tür. Auf dem Gang standen zwei ältliche Männer. Der Admiral ernst und grimmig, Colonel Frobisher zuckend und bebend. Chandler sagte einfach: «Wollen Sie mit uns kommen, Monsieur Poirot.» Vor Diana Maberlys Schlafzimmer lag eine zusammengekauerte Gestalt. Das Licht fiel auf einen zerzausten hellbraunen Schopf. Hugh Chandler lag röchelnd am Boden. Er war in Schlafrock und Pantoffeln. In seiner rechten Hand war ein gebogenes, glänzendes Messer. Stellenweise glänzte es matt von roten nassen Flecken.

Hercule Poirot rief mit erstickter Stimme:

«Mon dieu!»

Frobisher sagte rasch:

«Ihr fehlt nichts. Er hat sie nicht berührt.» Er erhob seine Stimme und rief: «Diana! Wir sind es! Laß uns hinein!»

Poirot hörte den Admiral stöhnen und leise vor sich hinmurmeln:

«Mein Junge, mein armer Junge.»

Man hörte, wie der Riegel zurückgeschoben wurde. Die Tür ging auf, und Diana stand auf der Schwelle. Ihr Gesicht war totenbleich. Sie stammelte:

«Was ist geschehen? Jemand war da – er hat versucht, hereinzukommen – ich habe es gehört – wie er die Tür betastet hat – die Klinke – wie er an der Vertäfelung gekratzt hat – Oh! Es war grauenhaft … Wie ein Tier …»

Frobisher sagte rasch:

«Gott sei Dank, daß Deine Tür versperrt war!»

«Monsieur Poirot hatte mich ersucht, sie zuzusperren.»

«Heben Sie ihn auf und bringen Sie ihn hinein», befahl Poirot. Die beiden Männer bückten sich und hoben den Bewußtlosen auf. Als sie an ihr vorbeikamen, entrang sich Diana ein trockenes Schluchzen. «Hugh? Es ist Hugh? Was ist das – auf seinen Händen?» Hugh Chandlers Hände waren feucht und klebrig von einem rotbraunen Naß.



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