Hercule Poirot blickte ihn eine Weile nachdenklich an, dann meinte er:

«Ich sehe jetzt, weshalb Sie meine Gesellschaft gewünscht haben. Sie möchten, daß ich die Sache in die Hand nehme?»

«Würden Sie es tun? Ich habe das Gefühl, daß ich etwas unternehmen sollte – aber ich gestehe, daß ich Sheila Grant wenn möglich vor einem Skandal bewahren möchte.»

«Ich glaube, das läßt sich machen. Ich möchte die junge Dame gerne sehen.»

«Kommen Sie mit.»

Er führte ihn aus dem Zimmer heraus. Eine Stimme rief kläglich aus einer gegenüberliegenden Tür: «Doktor – um Himmels willen, Doktor, ich werde verrückt.» Stoddart ging in das Zimmer, Poirot folgte ihm. Es war ein Schlafzimmer in völlig chaotischem Zustand – Puder war auf dem Boden ausgestreut – Tiegel und Flakons standen überall herum, Kleider lagen achtlos hingeworfen auf dem Boden. Auf dem Bett lag eine Frau mit platinierten Haaren und einem leeren, lasterhaften Gesicht. Sie rief: «Ameisen kriechen mir über den ganzen Körper … bestimmt. Ich schwöre es. Ich werde toll – Um Himmels willen geben Sie mir eine Spritze oder irgend etwas!» Dr. Stoddart stand am Bettrand. Sein Ton war berufsmäßig beschwichtigend. Hercule Poirot schlich sich aus dem Zimmer. Ihm gegenüber war noch eine Tür. Er öffnete sie. Es war ein winziges Zimmer – eine bloße Kammer – ganz einfach eingerichtet. Auf dem Bett lag regungslos eine zarte, mädchenhafte Gestalt. Hercule Poirot schlich auf Zehenspitzen an den Bettrand und blickte auf das junge Mädchen herab.

Dunkles Haar, ein längliches, blasses Gesicht – und – jung, ja, sehr jung …

Ein schmaler weißer Streifen schimmerte zwischen ihren Lidern.

Ihre Augen öffneten sich, erschreckte, ängstliche Augen. Sie starrte ihn an, setzte sich auf und warf den Kopf zurück in dem Bemühen, die dichte Mähne blauschwarzen Haares zurückzuwerfen. Sie sah aus wie ein verschrecktes Fohlen und wich ein wenig zurück, wie ein wildes Tier zurückweicht, wenn es einem Fremden mißtraut, der ihm Futter reicht.



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