Poirot folgte Frobisher in das Haus. Nach dem Sonnenlicht draußen war es so dunkel, daß er die Gegenstände kaum unterscheiden konnte. Aber er bemerkte, daß das Haus mit schönen alten Sachen angefüllt war.

Colonel Frobisher führte Poirot in die Gemäldegalerie. An den getäfelten Wänden hingen Porträts der dahingegangenen Chandlers. Ernste und heitere Gesichter, Männer in Hofkleidung oder Marineuniformen. Frauen in Perlen und Seide.

Schließlich blieb Frobisher unter einem Porträt am Ende der Galerie stehen. «Von Orpen», sagte er barsch.

Sie standen beide da und blickten zu einer großen, schlanken Frau empor, die einen Windhund am Halsband hielt. Eine Frau mit kastanienbraunem Haar und einem Ausdruck strahlender Lebensfreude.

«Der Junge ist ihr Ebenbild», meinte Frobisher, «finden Sie nicht?»

«In manchen Dingen, ja.»

«Er hat natürlich nicht ihre Zartheit – ihre Weiblichkeit, Er ist eine männliche Ausgabe – aber in allem Wesentlichen –» Er brach ab. «Schade, daß er von den Chandlers das einzige geerbt hat, das er sehr gut hätte entbehren können …»

Sie schwiegen. Es lag eine Melancholie in der Luft, die sie umgab – als würden die verstorbenen Chandlers über die schreckliche Krankheit seufzen, die ihre Familie seit Generationen immer wieder heimsuchte …

Hercule Poirot wandte den Kopf, um seinen Gefährten anzusehen. George Frobisher blickte noch zu der schönen Frau an der Wand empor. Und Poirot fragte leise:

«Sie kannten sie gut? …»

Frobisher stieß mühsam hervor:

«Wir sind zusammen aufgewachsen. Ich ging als junger Offizier nach Indien, als sie sechzehn Jahre alt war … Als ich heimkam – war sie Chandlers Frau.»

«Kannten Sie ihn auch gut?»

«Chandler ist einer meiner ältesten Freunde, mein bester – er war es immer.»

«Haben Sie nach der Heirat viel mit ihnen verkehrt?»

«Ich verbrachte fast alle meine Urlaube hier. Der Ort ist mir eine zweite Heimat. Charles und Caroline hielten immer ein Zimmer für mich bereit – es erwartete mich immer fix und fertig …»



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