
»Dr. Nlle?«
Er faßte sie am Ellbogen und zog sie ins Haus zurück.
»Ja.«
»Aber Pao.«
»Pao kann warten, Ylla. Wir müssen uns um Dr. Nlle kümmern.«
»Nur ein paar Minuten. «
»Nein, Ylla!«
»Nein?«
Er schüttelte den Kopf. »Nein. Außerdem ist der Weg zu Pao hinüber durchs Grüne Tal und dann am großen Kanal entlang fürchterlich weit und anstrengend. Außerdem würde sich Dr. Nlle sicher sehr freuen, wenn du hier wärst.«
Sie antwortete nicht, wollte sich losreißen und davonlaufen, wollte schreien, aber sie saß nur still in ihrem Stuhl, bewegte langsam die Finger und betrachtete sie ausdruckslos; sie war gefangen.
»Ylla?« flüsterte er. »Du bleibst doch hier, nicht wahr?«
»Ja«, sagte sie leise nach langem Schweigen. »Ich bleibe hier.«
»Den ganzen Nachmittag?«
»Den ganzen Nachmittag.«
Der Tag war schon weit fortgeschritten, und Dr. Nlle hatte sich noch immer nicht sehen lassen. Herrn K schien das nicht sonderlich zu überraschen. Es wurde immer später. Plötzlich stand er auf, trat an einen Schrank und holte eine seiner Waffen heraus, eine lange gelbliche Röhre, die in einem Beutel mit einem Gebläse und einem Abzug endete. Er trug eine Maske vor dem Gesicht, eine ausdruckslose gehämmerte Maske aus Silber - die Maske, die er stets trug, wenn er seine Gefühle verbergen wollte, die Maske, die sich den hageren Linien seines Kinns, seiner Wangen und seiner Stirn exakt anpaßte. Die Maske glitzerte in der Sonne; in der Hand hielt er eine Waffe und betrachtete sie prüfend. In dem Beutel summten Insekten. Schwärme schrecklicher goldener Bienen konnten durch das Gebläse abgeschossen werden: ein schrilles Geräusch, und sie stürzten sich wutentbrannt ins Ziel, stachen zu und verspritzten ihr Gift, um dann wie Samenkörner tot in den Sand zu fallen.
»Wohin gehst du?« fragte sie.
