»Auf einmal bist du so besorgt?« fragte sie.

»Also was ist nun?« erwiderte er mürrisch. »Möchtest du oder möchtest du nicht?«

Sie blickte hinaus in die Wüste, die vom fahlen Licht der Zwillingsmonde erhellt wurde. Kaltes Wasser umspielte ihre Zehen. Sie zitterte und spürte einen Anflug von Angst. Gern wäre sie einfach sitzengeblieben, schweigend, reglos, bis das Ereignis eintrat, auf das sie den ganzen Tag gewartet hatte; ein Ereignis, das eigentlich gar nicht möglich war, das aber trotzdem nahte. Ein Fetzen des Liedes ging ihr durch den Sinn.

»Ich.«

»Wird dir gut tun«, drängte er. »Komm schon!«

»Ich bin müde«, sagte sie. »Ein andermal.« »Hier ist dein Schal.« Er reichte ihr eine Phiole. »Wir sind seit Wochen nicht mehr aus dem Hause gewesen.«

»Nur du - zweimal in der Woche in Xi-City.« Sie sah ihn nicht an.

»Geschäfte«, erklärte er.

»Ach?« sagte sie leise.

Aus der Phiole strömte eine Flüssigkeit, verwandelte sich in einen blauen Nebel und legte sich sanft um ihren Hals.

Die Flammenvögel warteten wie ein Häufchen glühender Kohlen auf dem glatten Sand. Der weiße Baldachin, der durch tausend grüne Bänder mit den Vögeln verbunden war, blähte sich im Nachtwind und flappte leise.

Ylla lehnte sich zurück, und auf ein Kommando ihres Mannes sprangen die Vögel funkensprühend in den dunklen Himmel. Die Bänder strafften sich, das Fahrzeug wurde angehoben. Pfeifend glitt es über dem Sand dahin; die blauen Hügel trieben vorüber, ihr Haus blieb zurück, die wassersprühenden Säulen, die Blumen in ihren Käfigen, die singenden Bücher, die flüsternden Bäche. Sie sah ihren Mann nicht an. Sie hörte seine Kommandos an die Vögel, die wie zehntausend heiße Funken höher stiegen, wie gelbrote Feuerwerkskörper am Himmel hin und her zuckten, brennend durch den Wind fegten und den Baldachin wie ein Blütenblatt hinter sich her zogen. Sie blickte nicht zu den toten Städten hinab, die unter ihnen vorüberglitten, nicht zu den alten Kanälen, gefüllt mit Leere und Träumen. Über ausgetrocknete Flüsse und ausgetrocknete Seen flogen sie dahin wie der Schatten des Mondes, wie eine brennende Fackel.



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