Poirot sah mich vorwurfsvoll an.

«Nein! Weil weder merkwürdig geformte Dolche noch Erpressung, noch ein aus dem Auge eines Götzenbildes gestohlener Smaragd, noch irgendein unbekanntes orientalisches Gift darin vorkommen! Sie sind ein melodramatisches Gemüt, Hastings. Ihnen genügt ein Mord nicht, Sie möchten ganze Reihen von Morden haben.»

«Ich gebe zu, dass ein zweiter Mord manchmal ein Buch sehr zu beleben vermag. Wenn das Verbrechen nämlich im ersten Kapitel geschieht und man dann jedermanns Alibi verfolgen soll bis zur letzten Seite, das – nun, das wird auf die Dauer ziemlich langweilig.»

Das Telefon klingelte. Poirot hob den Hörer ab.

«Allô! Allô, oui! Ja, hier spricht Hercule Poirot.»

Er hörte eine Minute lang zu, und dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck.

«Mais oui… selbstverständlich werde ich kommen… Ja, natürlich… Sie könnten Recht haben… Gewiss, ich werde ihn mitbringen…A tout à l’heure.»

Er kam an den Tisch zurück.

«Japp hat eben angerufen, Hastings.»

«So?»

«Er ist in diesem Moment in den Yard zurückgekommen und hat eine Nachricht aus Andover vorgefunden… Eine alte Frau, die einen kleinen Tabakladen führte, ist ermordet aufgefunden worden.»

Ich glaube, dass mir ein bisschen seltsam zu Mute war. Mein Interesse, das beim Wort «Andover» hell aufgeflammt war, erlosch wieder. Ich hatte mir etwas Außergewöhnliches vorgestellt! Der Mord an einer alten Ladenbesitzerin schien mir irgendwie uninteressant und langweilig. Poirot sprach langsam und ernst weiter: «Die Polizei von Andover glaubt, den Mörder verhaften zu können…»

Ein neuerlicher Dämpfer auf alle meine Erwartungen.

«… weil die Frau mit ihrem Mann Streit gehabt hat. Er ist ein Trinker und ein ziemlich roher Geselle. Er hat sie schon wiederholt bedroht. Trotzdem möchte die dortige Polizei noch den Brief einsehen, den ich erhalten habe. Ich habe zugesagt, dass wir beide sofort nach Andover kommen werden.»



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