
Zu »Ole«-Rufen der erregten Menge rasten die Stiere die ganze Straße entlang - an der Calle Laestrafeta und der Calle de Javier vorbei, vorbei an Apotheken, Textilgeschäften und Obstläden - auf die Plaza de Hemingway zu. Sobald die Tiere herandonnerten, begann eine wilde Flucht vor ihren spitzen Hörnern und tödlichen Hufen. Die plötzliche Realität des herannahenden Todes brachte einige Teilnehmer dazu, sich in Hauseingänge und auf Feuertreppen zu flüchten. Der Schmähruf »Cobardon!« -Feigling - verfolgte sie dorthin. Hier und da stolperten Männer und stürzten vor die heranrasenden Stiere und wurden rasch in Sicherheit geschleppt.
Ein kleiner Junge und sein Großvater standen hinter einer der Barrieren: beide atemlos vor Aufregung wegen des Schauspiels, das sich unmittelbar vor ihnen ereignete.
»Sieh sie dir an!« rief der Alte aus. »Magnifico!«
Der kleine Junge fuhr zusammen. »Tengo miedo, Abue-lo. Ich hab’ Angst.«
Der Alte legte ihm einen Arm um die Schultern. »Si, Manolo. Es ist erschreckend - aber auch wundervoll. Ich bin einmal mit den Stieren gerannt. Das lässt sich mit nichts vergleichen. Man trotzt dem Tod und fühlt sich danach als richtiger Mann.«
Normalerweise brauchten die Stiere etwa zwei Minuten für die gut achthundert Meter die Calle Santo Domingo entlang bis zur Arena; und sobald sie sicher im Korral eingesperrt waren, würde eine weitere Rakete abgeschossen werden. An diesem Tag stieg die dritte Rakete jedoch nicht auf, denn es kam zu einem in der vierhundertjährigen Geschichte des Stiertreibens in Pamplona noch nie da gewesenen Vorfall.
