Während die Tiere die schmale Straße entlang rasten, verschob ein halbes Dutzend Männer in farbenprächtigen Feria-Kostümen die hölzernen Barrieren. Statt auf der abgesperrten Calle Santo Domingo befanden die Stiere sich plötzlich im Stadtzentrum in Freiheit. Was eben noch eine unbekümmerte Feier gewesen war, verwandelte sich in einen Alptraum: die wütenden Stiere griffen mit gesenkten Hörnern die verwirrten Zuschauer an.

Der kleine Junge und sein Großvater gehörten zu den ersten, die von den Stieren überrannt und getötet wurden. Gefährlich spitze Hörner bohrten sich in einen Kinderwagen, durchbohrten ein Baby und warfen seine Mutter zu Boden, wo sie zertrampelt wurde. Die Tiere walzten hilflose Zuschauer nieder, brachten Frauen und Kinder zu Fall, spießten mit ihren langen tödlichen Hörnern Fußgänger, Imbissstände und Obstkarren auf und schleuderten alles beiseite, was das Pech hatte, ihnen in die Quere zu geraten. Entsetzt aufschreiende Menschen bemühten sich verzweifelt, sich vor den tobenden Ungeheuern in Sicherheit zu bringen.

Plötzlich erschien ein feuerroter Lastwagen vor den Stieren, die sofort die Calle de Estrella - die zum Carcel, dem Gefängnis Pamplonas, führende Straße - entlang zum Angriff übergingen.

Das Carcel ist ein bedrohlich wirkendes einstöckiges Steingebäude mit schwer vergitterten Fenstern. An seinen vier Ecken ragen Türme auf; über dem Eingang hängt die rot-gelbe spanische Flagge. Unter einem steinernen Torbogen führt ein Holztor in den kleinen Gefängnishof. Im ersten Stock des Gebäudes liegt eine Reihe von Zellen für zum Tode verurteilte Häftlinge.

Im Gefängnisinneren führte ein untersetzter Aufseher in der Uniform der Policia Armada einen Geistlichen in schlichter schwarzer Soutane durch den Gang im ersten Stock. Der Polizeibeamte war mit einer Maschinenpistole bewaffnet.



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