Der Uniformierte schloss eine Zellentür auf und trat dann vorsichtig zurück, während der Geistliche die Zelle betrat. Er sperrte hinter ihm ab, blieb im Korridor stehen und horchte auf irgendeinen Laut, der auf ungebührliches Betragen des Häftlings hätte schließen lassen.

Der Geistliche trat auf den Mann zu, der auf einer schmutzigen Gefängnispritsche lag. »Dein Name, mein Sohn?«

»Ricardo Mellado.«

Der Geistliche starrte auf ihn hinab. Wie der Mann aussah, war schwer zu beurteilen. Sein Gesicht war geschwollen und verfärbt, seine Augen waren fast zugequollen. »Ich bin froh, dass Sie kommen konnten, Pater«, sagte er mit dicken Lippen.

»Die Kirche hat die Pflicht, zu deiner Erlösung beizutragen, mein Sohn«, antwortete der Geistliche.

»Ich soll also heute morgen gehenkt werden?«

Der Geistliche legte ihm tröstend eine Hand auf die Schulter. »Du bist zum Tode durch die Garrotte verurteilt worden.«

Ricardo Mellado starrte erschrocken zu ihm auf. »Nein!«

»Tut mir leid, das hat der Ministerpräsident angeordnet.«

Der Geistliche legte seine Rechte auf den Kopf des Häftlings und intonierte: »Di me tuspecados...«

»Ich habe in Gedanken, Worten und Taten schwer gesündigt«, bekannte Ricardo Mellado, »und bereue alle meine Sünden von ganzem Herzen.«

»Ruego a nuestro Padre celestialpor la salvacion de tu ama. In el nombre del Padre, delHijo y el Espiritu Santo.«

Der draußen vor der Zelle horchende Aufseher dachte: Was für eine dämliche Zeitverschwendung! Den lässt Gott doch in der Hölle braten!

Der Geistliche war fertig. »Adios, mein Sohn. Möge Gott deine Seele in Frieden empfangen.«

Der Polizeibeamte öffnete dem Geistlichen die Zellentür, trat sofort wieder zurück, ließ aber seine Waffe auf den Häftling gerichtet. Nachdem die Tür wieder abgesperrt war, wandte sich der Aufseher der nächsten Zellentür zu und schloss sie auf.



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