»Bitte sehr, Pater.«

Der Geistliche betrat die zweite Zelle. Auch ihr Insasse war schwer misshandelt worden. Der Besucher starrte ihn lange an. »Wie heißt du, mein Sohn?«

»Felix Carpio.« Er war ein muskulöser, bärtiger Mann mit einer kaum verheilten Narbe auf der linken Backe, die selbst sein Vollbart nicht verdecken konnte. »Ich habe keine Angst vorm Sterben, Pater.«

»Das ist gut, mein Sohn, denn sterben müssen wir eines Tages alle.«

Während der Geistliche Carpio die Beichte abnahm, begannen anfangs noch ferne Geräusche, die rasch lauter wurden, durchs Gebäude zu hallen. Das Donnern der wild gewordenen Stiere ging fast in den Schreckensschreien der fliehenden Menge unter. Der Aufseher lauschte verblüfft nach draußen. Die Geräusche kamen schnell näher.

»Beeilen Sie sich lieber, Pater. Draußen geht irgendwas Merkwürdiges vor.«

»Ich bin fertig.«

Der Uniformierte sperrte hastig die Zellentür auf. Nachdem der Geistliche in den Korridor getreten war, schloss der Aufseher hinter ihm ab. Vom Gefängniseingang her ertönte ein lautes Krachen. Der Polizeibeamte machte kehrt, um aus einem schmalen, vergitterten Fenster zu sehen.

»Was ist das für ein Krach, verdammt noch mal?« »Anscheinend will uns jemand besuchen«, sagte der Geistliche. »Darf ich sie mir kurz ausleihen?«

»Was ausleihen?«

»Ihre Maschinenpistole, por favor.«

Während der Geistliche sprach, trat er auf den Uniformierten zu. Er griff wortlos nach seinem großen Brustkreuz, das sich teilen ließ, und zog ein langes, gefährlich aussehendes Stilett heraus. Dann stieß er es dem Aufseher mit einer blitzschnellen Bewegung in die Brust.

»Siehst du, mein Sohn«, sagte er, während er dem Sterbenden die MP entriss, »Gott und ich haben beschlossen, dass du diese Waffe nicht mehr brauchst.«

Der Aufseher sackte auf dem Betonfußboden zusammen. »In nomine patris«, murmelte Jaime Miro und bekreuzigte sich andächtig. Er nahm dem Toten die Schlüssel ab und sperrte hastig die beiden Zellen auf. Der von der Straße heraufdringende Lärm wurde noch lauter.



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