
«Ha, dassich nicht lache.» Louise grinste. «Man ist nur so alt, wie man sich fühlt. Kopf hoch.»
«Ich versuch's ja, kleine Schwester, aber manchmal schlägt alles über mir zusammen.»
Sie schwiegen, dann: «Kann ich mir denken.» Nach einer kurzen Pause fügte Mutter hinzu: «Wir müssen dagegen ankämpfen. Ginnys wegen müssen wir intensiver leben. Wenn du dich aufdonnerst, fühlst du dich besser und jünger, glaub mir.»
«Kann sein, aber egal, ob ich mir Creme ins Gesicht klatsche, Falten krieg ich trotzdem.»
«Du siehst toll aus.» Mutter schwindelte nicht; denn schöne Haut, die nur langsam alterte, lag in der Familie.
Sofern so etwas überhaupt möglich war, strahlte die Haut der Männer sogar noch frischer als die der Frauen. Mutter sagte, durch tägliches Rasieren bleibe die Haut glatt.
«Ihr seht aus wie Zwillinge», gab ich meinen Senf dazu.
Auch wenn es Mutter freute, dass ich ihre Schwester aufmunterte, warf sie mir einen rasenden Blick zu. Sie war gern die Kleine und wollte nicht als Louises Zwilling durchgehen. «Du bist süß», gurrte Louise.
Der Nebel lichtete sich so weit, dass wir die Landschaft sehen konnten, die flach war wie ein Pfannkuchen. Die Spitze von St. Mary's County lag direkt vor uns; der provisorische Parkplatz bestand aus zerstoßenen Muscheln. Der Sand dahinter wurde vom Wind aufgewirbelt, der heute zum Glück nur sanft wehte. Mutter fuhr auf die Muscheln, die Reifen knirschten. Die Sonne stieg über den Horizont. «Froh erwachet jeden Morgen.» Ich schüttelte Leroy. «Aufwachen.»
Er machte die Augen auf und rappelte sich hoch. «Guckt mal, die vielen Vögel. Tante Wheezie, ich muss mal.»
Mutter stellte den Motor ab, Louise öffnete die schwere Wagentür, machte den hinteren Schlag auf, und Leroy stieg aus. Seine Turnschuhe waren blitzblank, weil er sie mit einem Topfputzer geschrubbt hatte. Leroy hielt seine Sachen ordentlich und sauber, weil sein Daddy verlangte, dass er alles auf anständige militärische Art erledigte. Auch ich musste Ordnung halten.
