
»Ich halte es für faszinierend, daß Sie so alt sind, Captain«, sagte sie freundlich. »Vielleicht sind Sie der älteste lebende Mensch. Meine Rasse kennt natürlich keine Verjüngung — sie ist nicht erforderlich.«
Nein, natürlich nicht, dachte Brazil bedrückt. Sie lebten ihre achtzig Jahre als jugendliche Spezialistenglieder im Ameisenstaat ihrer Gesellschaft, dann erschienen sie ruhig vor der örtlichen Todesfabrik, um zu Dünger verarbeitet zu werden.
Ameisenstaat? dachte er erstaunt. Was, zum Teufel, sind Ameisen?
»Nun, alt oder nicht, kann ich nicht sagen, aber es nützt einem nicht viel, wenn man nicht einen Beruf hat wie den meinen«, sagte er. »Ich weiß nicht, warum ich immer noch weiterlebe — das muß wohl in mir angelegt sein.«
Vardias Miene hellte sich auf. Das war etwas, das sie verstehen konnte.
»Möchte wissen, was für eine Welt das sein muß, die einen solchen Imperativ des Überlebens verlangt?«meinte sie und bewies damit allen, daß sie überhaupt nichts verstand.
Brazil ging darüber hinweg.
»Eine, die lange tot und untergegangen ist, meine ich«, sagte er trocken.
»Ich glaube, wir gehen in unsere Kabinen zurück, Captain«, sagte Hain, stand auf und reckte sich. »Um die Wahrheit zu sagen, das einzige, was anstrengender ist, als irgend etwas zu tun, ist, gar nichts zu tun.«Julee erhob sich fast im selben Augenblick, und sie gingen gemeinsam hinaus.
Vardia sagte:»Ich werde wohl auch gehen, Captain, doch ich hätte gern wieder Gelegenheit, mit Ihnen zu sprechen und mir vielleicht die Brücke anzusehen.«
»Aber gern«, erwiderte er liebenswürdig. »Ich nehme hier alle Mahlzeiten zu mir, und Gesellschaft ist immer willkommen. Vielleicht essen wir morgen miteinander, unterhalten uns, und ich zeige Ihnen danach, wie das Schiff gesteuert wird.«
Als er in der Messe allein war, sah er sich die leeren Teller an. Hain hatte, wie erwartet, keinen Bissen übriggelassen, ebenso Vardia und er selbst — die Mahlzeiten wurden einzeln nach den jeweiligen Vorlieben und dem Körperbau zubereitet.
