
Julees Essen war fast unberührt. Sie hatte im Teller nur herumgestochert.
Kein Wunder, daß sie dahinsiecht, jedenfalls körperlich, dachte er. Aber warum seelisch? Sie war ganz gewiß nicht Hains Nichte, und er bezweifelte, ob sie eine Angestellte sein konnte.
Was dann?
Er drückte auf den Abräumknopf und versenkte die Stühle, dann kehrte er auf die Brücke zurück.
Im Weltraum waren Frachterkapitäne natürlich das Gesetz. Sie mußten es sein. Alle Schiffe besaßen Sicherheitsvorkehrungen, die bei jedem Kapitän verschieden waren, aber auch solche, die allen gemeinsam waren, wenn auch nur diesen Kapitänen bekannt.
Brazil ließ sich in seinem Kommandosessel nieder und blickte auf den Projektionsschirm, der noch immer die fast unveränderte Sternenwelt zeigte. Sie sah sehr realistisch und eindrucksvoll aus, war aber unecht, eine Computersimulation; der Balla-Drubbik-Antrieb, der Überlichtgeschwindigkeit erlaubte, war in seiner Art außerdimensional. Außerhalb des Energieschachts des Schiffes befand sich 3° einfach nichts, was menschlichen Begriffen zugänglich gewesen wäre.
Er tippte auf der Computertastatur ein: ›ICH VERMUTE ILLEGALE HANDLUNGEN. KABINE 6 AUF DEM LINKEN, KABINE 7 AUF DEM RECHTEN BILDSCHIRM ZEIGEN.‹
Der Computer ließ eine kleine gelbe Lampe aufflammen, um anzuzeigen, daß er die Anweisung erhalten und den Code des Kapitäns registriert hatte, dann wurde das simulierte Sternenfeld durch die nebeneinanderliegenden Ansichten der beiden Kabinen ersetzt.
Die Tatsache, daß in allen Kabinen Kameras versteckt waren und von den Kapitänen bedient werden konnten, war ein streng gehütetes Geheimnis, obschon bei mehreren Personen, die zufällig dahintergekommen waren, die Konföderation dieses Wissen gelöscht hatte. Aber mit diesen Methoden war so mancher Wahnsinnige und Pirat gefaßt worden, und Brazil wußte auch, daß die Hafenbehörden der Konföderation sich die Aufzeichnungen dessen ansehen würden, was er live sah, um ihn nach seinen Motiven zu befragen. Man tat so etwas nicht leichtfertig.
