
Hain öffnete den Koffer vor einem Fach mit Schmuck und Körperschminke. Normal genug, und der Einsatz schien tief genug zu sein, den ganzen Koffer auszufüllen. Keine Zollprobleme.
Durch den dünnen Kunststoff, der die zusätzliche Sperre verdeckte, betätigte er eine zweite Fingerabdruck-Kombination, und das Fach löste sich heraus und schien auf etwas anderem zu schweben. Der dicke Mann hob das Fach heraus.
Zum erstenmal bemerkte Brazil, daß Hain hauchdünne Handschuhe trug. Er hatte nicht gesehen, wie er sie angezogen hatte — vielleicht schon vor der Szene, die er zuvor beobachtet hatte —, aber sie waren da.
Der dicke Mann griff hinein und zog einen winzigen Gegenstand heraus, der vor Feuchtigkeit beinahe tropfte. Brazil konnte sehen, daß der ganze Kofferboden damit ausgefüllt war. Sein Verdacht hatte sich bestätigt.
Datham Hain war Schwamm-Händler.
Das Schmuggelgut wurde ›Schwamm‹ genannt, weil es genau das war — ein fremdes Schwammgewächs von einer fernen Meereswelt, die inzwischen durch die Konföderation zum Sperrgebiet erklärt worden war.
Brazil erinnerte sich an die Hintergründe. Ein schöner Planet, zum größten Teil Ozean, aber mit Millionen von Inseln, durch ein Netz von Untiefen miteinander verbunden. Tropisches Klima, außer an den Polen. Die Welt glich einem Paradies, und die Tests hatten ergeben, daß es für den Menschen nichts Schädliches gab. Eine Versuchskolonie — zwei-, dreihundert Leute — wurde, wie üblich, für die fünfjährige Prüfzeit auf den beiden größten Inseln abgesetzt. Freiwillige, das verstand sich von selbst, die letzten Überbleibsel der Pioniere unter der Menschheit.
Wenn sie überlebten und florierten, gehörte ihnen die Welt — um sie zu entwickeln oder mit ihr anzufangen, was sie wollten. Da aber die Prüfinstrumente des Menschen nur das Bekannte und das Theoretische zu analysieren vermochten, gab es keine Möglichkeit, eine Bedrohung zu entdecken, die so fremdartig war, daß man sie sich nicht einmal hatte vorstellen können. Das war der eigentliche Grund für die Prüfzeit.
