Sie war zweifellos Hains absolute Sklavin. Die Krankheit hatte in ihr bis kurz vor dem Punkt Fuß fassen dürfen, wo sie unkontrollierbar wurde. Menschlich, ja, aber wahrscheinlich der Intelligenzquotient schon halbiert, ständig von leichten Schmerzen geplagt, die zunahmen, sobald die Wirkung des Schwamm-Antitoxins nachließ. Eine wirksame Demonstration, die es dem Händler ersparte, eine unschuldige Person zu infizieren und den Dingen freien Lauf zu lassen. Das geschah im Bedarfsfall natürlich auch — aber es war nicht gut, einen langen Zeitraum entstehen zu lassen, in dem den Agenten der Konföderation offenbar wurde, daß ein Schwamm-Händler frei herumlief.

Brazil fragte sich beiläufig, warum das Mädchen nicht Selbstmord beging. Er glaubte, daß er das in einem solchen Fall getan hätte. Ein Opfer ist aber wahrscheinlich schon zu hilflos, um daran zu denken, bis es begreift, daß Selbstmord der einzige Ausweg ist, entschied er.

Brazil blickte wieder auf den Bildschirm. Hain hatte den Koffer wieder verschlossen und weggestellt und legte sich schlafen. Raffiniert, der Koffer, dachte der Kapitän. Schwamm ist außerordentlich stark komprimierbar und braucht nur so viel Meerwasser, daß er feucht bleibt. Er wuchs sogar in dem Koffer, dachte er. Wenn man Stücke verteilte, wuchsen neue nach. Das war der Grund, warum ein Opfer stets nur die Mindestmenge erhielt — wenn man genug davon in die Hand bekam, konnte man ihn selbst züchten.

Wu Julee lag auf ihrem Bett, ein Bein hing herab. Sie atmete schwer, aber auf ihrem Gesicht war eine Art Idiotenlächeln zu sehen.

Linderung für einen weiteren Tag, der kleine Schwammwürfel geschluckt, während der Körper das Beweismaterial aufspaltete.

Nun drehte sich Brazil doch der Magen um.

Was warst du, Wu Julee, bevor Datham Hain ein Essen servierte? fragte er sich. Studentin oder Gelehrte oder Spezialistin wie Vardia? Eine verwöhnte Göre? Eine Jungfrau, die vielleicht eines Tages Kinder zur Welt zu bringen hoffte?



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