
Ein anderes Übel war, daß das Land keine festen Gesetze hatte. Kaum gewöhnten sich die Einwohner an die Forderungen des einen Königs, da war der Monat seiner Regierungszeit auch schon um, und ein anderer bestieg den Thron, der wiederum neue Forderungen an das Volk stellte. Besonders viele Unannehmlichkeiten bereiteten den Bürgern die Grußvorschriften.
Der eine König verlangte, daß die Leute bei seinem Anblick auf die Knie fielen, der andere, daß sie die linke Hand mit gespreizten Fingern an die Nase legten und mit der rechten über dem Kopf winkten, vor dem dritten mußte man auf einem Bein hüpfen…
Die Könige suchten einander darin zu überbieten, das Volk aber stöhnte unter ihren verrückten Einfällen.
Jeder Landesbewohner besaß sieben Hüte in den sieben Farben des Regenbogens. Am Tage des Regierungswechsels mußte man den Hut in der Farbe des neuen Königs aufsetzen, dessen Soldaten streng auf die Befolgung dieser Vorschrift achteten.
Nur in einem glichen sich die Könige: Sie dachten sich ständig neue Steuern aus. Die Untertanen arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts, um die unzähligen Launen ihrer Herrscher zu befriedigen.
Jeder König gab aus Anlaß seiner Thronbesteigung ein üppiges Festmahl, zu dem die Hofleute aller sieben Könige in den Regenbogenpalast geladen wurden. Man feierte die Geburtstage der Könige, ihrer Gemahlinnen und Erbfolger, jede erfolgreiche Jagd, die Geburt eines jeden neuen Drachen in den königlichen Drachenzuchten und vieles andere… Fast jeden Tag grölten im Palast die Zecher, die den Wein der oberen Welt tranken und den Herrscher priesen, der gerade den Thron bestiegen hatte.
EIN UNRUHIGER TAG
Man schrieb das Jahr 189 der unterirdischen Zeitrechnung, die mit dem Tag der Verbannung des rebellischen Prinzen Bofaro und seiner Anhänger begonnen hatte.
