Mehrere Geschlechter hatten sich unterdessen im unterirdischen Land abgelöst. Die Leute waren bereits an das Leben in der Höhle und das fahle Licht gewöhnt, das der Abenddämmerung auf der Erde glich. Ihre Haut war blaß, ihre Körper waren schlanker geworden, und ihre großen Augen, die sich dem schwachen, aus den goldgelben Wolken kommenden Licht angepaßt hatten, konnten jetzt das Tageslicht der oberen Welt nicht mehr vertragen.

Die Regierungszeit des Königs Pamelja II. näherte sich ihrem Ende, und Pampuro III. sollte ihn nun ablösen. Da dieser aber noch ein Säugling war, fiel seiner Mutter, der Königswitwe Stafida, die Regentschaft zu. Stafida war aber eine machtgierige Frau, die es nicht abwarten konnte, das Land zu regieren. Sie ließ ihren Hüter der Zeit Urgando, einen grauhaarigen, stämmigen Greis mit langem Bart, rufen und befahl ihm:



»Urgando, du sollst den Zeiger der Uhr auf dem Hauptturm um sechs Stunden vordrehen!«

»Zu Befehl, Eure Majestät!« erwiderte Urgando mit einer Verbeugung. »Ich weiß, die Untertanen warten schon mit Ungeduld auf Eure Thronbesteigung.«

»Schon gut. Geh und schwatz nicht!« unterbrach ihn Stafida.

»Ich tu’s ja nicht zum erstenmal!« lächelte verschmitzt Urgando.

Er tat, wie ihm geheißen. Aber der Hüter der Zeit König Pameljas, der junge Turrepo, hatte indessen von seinem Herrscher, der seine Regierungszeit verlängern wollte, den Befehl erhalten, den Zeiger um 12 Stunden zurückzudrehen.

In der Stadt der sieben Könige und im ganzen Lande geriet alles durcheinander. Kaum hatten die Menschen die Augen geschlossen und sich dem ersten süßen Schlaf überlassen, da schlug die Palastglocke sechs – das Signal zum Aufstehen. Gähnend krochen die Leute aus den Federn und schickten sich an, zur Arbeit zu gehen.



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