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Das Sportstadion abseits vom Capitol Beltway war das Hohelied auf die Tatsache, daß ländliche Bauplaner außerstande sind, Scheiße von Schuhcreme zu unterscheiden. Für Einwohner von Washington nicht minder unbequem wie für die von Baltimore, Maryland, lag das Sportstadion als nackter Koloß in die Landschaft geklotzt.
Jeden Januar sponserte Tomahawk eine Meisterschaft. Die acht Spitzenspielerinnen des Hallentennis traten gegeneinander an. Das Schöne an diesem Reglement war, daß niemand es begriff. Trotz reichlicher Diagramme und Erklärungen über Mikrofon von Lavinia unten auf dem Platz blieb die Struktur undurchsichtig. Den Fans war's egal, solange das Finale das Chaos aufklärte. Die Siegprämie belief sich auf bombige 250 000 Dollar - nicht schlecht, verglichen mit den üblichen 150 000 Dollar für ein reguläres Turnier in einer Stadt wie Minneapolis.
Miguel staunte über die Miniatur-Wigwams, vollgestopft mit Tomahawk-Produkten. Es war zehn Jahre her, seit er zuletzt seine Schwester begleitet hatte, und in diesen zehn Jahren hatte eine Explosion des kommerziellen Elements stattgefunden. Er sah beim Training zu und beobachtete die Spielerinnen. Die Spannung des Spiels packte ihn wieder. Er liebte Tennis, auch wenn er nicht gerade traurig darüber war, daß er die juristische Fakultät besucht hatte. Er wußte, er wollte nicht mit 35 ein abgehalfterter Typ sein; ein Dasein als Rechtsanwalt fand er freilich auch nicht allzu begeisternd. Das beruhigende Geräusch des Balles gegen gespannte Darmsaiten hob seine Lebensgeister. Der Winter von Cazenovia hatte ihnen bereits einen Dämpfer versetzt.
Carmen gewann den ersten Satz in ihrem ersten Match.
