Miguel wußte, daß dieses Jahr Carmens große Chance war. Sie war eine Aufschlag- und Volleyspielerin, und die brauchen länger, bis sie auf dem Platz voll ausgereift sind, als Grundli­nienspielerinnen. Da sie viel Kraft brauchen, müssen ihre Kör­per voll entwickelt sein. Obendrein müssen sie emotional gefe­stigt sein. Carmen war an der Spitze und ohne Verletzung. Dies war ihr Jahr, und beide, sie und Miguel, wußten es. Jetzt oder nie. So entscheidend der Zeitpunkt für ihren Aufschlag war, so entscheidend war er für ihre ganze Karriere. Sie war am rechten Platz zur rechten Zeit.

Miguel sah über den Cazenovia Lake, einen herrlichen sechs Kilometer langen Streifen frischen Wassers im Norden des Staa­tes New York. Das glatte Wasser glitzerte in der fahlen Nach­mittagssonne. Miguel, im Luxus aufgewachsen, war von der schönen Villa mit Blick über den See und die Berge dahinter nicht sonderlich beeindruckt. Die Semanas genossen die Privi­legien einer Familie des gehobenen Mittelstands in Buenos Aires, daher ließ ihn Carmens Umgebung im wahrsten Sinne des Wortes kalt. Die Winter in Cazenovia waren streng und dauer­ten manchmal acht Monate. Fast anderthalb Meter Schnee be­deckte die Erde. Wenn einem der ganze Kontinent der Vereinig­ten Staaten zur Verfügung steht, warum dann im Schnee sitzen? Miguel runzelte die Stirn, als der warme Brandy in seinem Magen brannte.

Carmens Mitbewohnerin, Harriet Rawls, war Dozentin an dem kleinen College in Cazenovia. Als Carmen hierher zog, kauften sie zusammen das Haus. Das war vor drei Jahren. Noch im ersten Jahr ihres Zusammenlebens überredete Carmen Har­riet, ihren Posten aufzugeben und ganz mit ihr herumzureisen.



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